Allgäu | Landwirtschaftliche Großbetriebe weiter im Visier der Amtstierärzte – Sofortige Anordnungen, Nottötungen, Missstände und die Kleinbauern leiden unter dem Image

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Foto: Pöppel/Symbolbild

Das Tierwohl im Auge zu behalten, das ist die Aufgabe der Veterinäre in Verwaltungsbehörden. Ist das Tier gesund und fit, dann braucht sich auch der Verbraucher keine Sorgen machen, was er beim Discounter oder Metzger an der Theke bekommt. Nun haben die vergangenen Monate gezeigt, dass anscheinend die Kontrolldichte und Häufigkeit in den landwirtschaftlichen Betrieben nicht ausreicht, um wirklich effektiv die Tierhaltungsvorschriften zu überprüfen. Aus diesem Grund haben zahlreiche Landräte und Kommunen die Landesregierung aufgefordert mehr Veterinäre einzustellen. Aber wohl müssen wir noch einige Zeit damit Leben, dass Tierschützer auf Missstände in der Nutzviehhaltung aufmerksam machen müssen.

Die letzte Kontrolle der Veterinäre aus dem Oberallgäu, am Mittwoch, 08.01.2020, zeigt auch wieder einmal, dass so mancher Betreiber überfordert oder auch einfach Beratungsresistent ist. Es gab im Vorfeld schon einige Besuche von Amtstierärzten und Beamten auf dem Hof in Eichholz bei Dietmannsried. Hier wurden Feststellungen getroffen, auf Mängel hingewiesen, aber wohl wurde die Liste der Hinweise nicht ernstgenommen bzw. umgesetzt. Am Mittwoch ist die Behörde mit Unterstützung aus München vom LGL nochmals angerückt. Den ganzen Tag über nahmen die Amtsträger den rinderhaltenden Betrieb unter die Lupe. Schon während der Kontrolle gab es durch die Beamten Anordnungen, die sofort umgesetzt werden mussten. Darunter vielen das Reinigen der Stallungen, die Ertüchtigung der Wasserversorgung für die Tiere. Zahlreiche Tiere wurden dokumentiert, die umgehend von einem Tierarzt behandelt werden mussten. Während der Kontrolle musste auch ein Tier notgetötet werden.

Am Mittwochabend, nach Veröffentlichung unserer beiden Beiträge zu der Kontrollaktion (Text 1 / Text 2), erhielten wir eine eMail. Man bat uns, die Bilder von dem Hof doch aus dem Bericht zu entfernen, da dies rechtlich nicht in Ordnung sei. Wir haben dann auf die Mail geantwortet und erklärt, dass die Bilder aus öffentlich zugänglichen Bereichen erstellt worden sind, wir keine Zäune oder Absperrungen durchdrungen haben und auch mit dem Betreiber vor Ort gesprochen haben. Es gab dann noch eine weitere eMail, vom gleichen Absender. Hier warf er uns dann vor, dass wir die Landwirtschaft in ein schlechtes Licht rücken würden und Existenzen vernichten. Wir haben dann auch diese eMail versucht zu beantworten. Leider war der eMail-Account dann nicht mehr erreichbar. Aus diesem Grund vielleicht hier ein paar Worte dazu. Im Allgäu gibt es mit Sicherheit mehr als 95% der Landwirte, die ihren Beruf mit Herz und Liebe zu ihren Tieren betreiben. Politisch hat man in der Vergangenheit die Großbetriebe gefördert, ob das so richtig ist, mögen wir nicht beurteilen können, aber wenn man sich mit Landwirten unterhält sehen sie hier schon ein großes Problem. Die Großbetriebe machen ihren Gewinn mit der Masse der Tiere. Oftmals sind osteuropäische Betriebshelfer angestellt, die sich um die Versorgung der Tiere kümmern. Der Betreiber schaut auf seine Kosten und die Effizienz seines Betriebes wie jeder andere Unternehmen auch. Nur arbeitet ein Industriebetrieb mit toten Material wie Schrauben, Metallteile etc., in der Landwirtschaft arbeitet man mit Lebewesen und der Natur. Vielleicht muss man einfach den Bereich der landwirtschaftlichen Großbetriebe politisch und auch in der Gesetzgebung (Vorschriften, Verordnungen) anderst einordnen, um hier die wohl bestehenden Probleme zu beseitigen. Der Absender der eMail wirft uns weiter vor, hier eine Existenz zu vernichten. Nein, das sehen wir nicht so. Die Aufgabe der Medien ist hinzuschauen und Probleme in die Öffentlichkeit zu bringen. In diesem Fall der Berichterstattung handelt es sich ja nicht um die erste Kontrolle, bei der es zu Aufdeckung von Missständen kam, es war eine von vielen. Die Existenz bedrohen nicht wir, die Existenz ist durch das Fehlverhalten der Verantwortlichen bedroht worden.

Hier noch ein Link zu einem Fernsehbeitrag von SAT1 Bayern zur Kontrolle in Eichholz bei Dietmannsried.