ZdK-Präsident beklagt autoritäres Gebaren junger Priester

Katholischer Pfarrer in einer Messe, über dts Nachrichtenagentur
Foto: Katholischer Pfarrer in einer Messe, über dts Nachrichtenagentur

Berlin (dts Nachrichtenagentur) – Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück, beklagt eine Neigung zu autoritärem Denken und Auftreten bei jungen katholischen Priestern. „Wir haben die hochproblematische Entwicklung, dass sich vom Priesteramt immer mehr auch junge Männer angezogen fühlen, die ins überhöhte Selbstverständnis des Würdenträgers zurückfallen und klerikal-autoritäre Verhaltensmuster leben“, sagte Glück im Interview mit der „Welt“ (Donnerstagausgabe). Manche, so Glück, brächten „es zum Beispiel fertig, Frauen aus den Altarräumen zu verweisen“.

Glück kritisierte in diesem Zusammenhang die „priesterzentrierte Richtung“ innerhalb der katholischen Kirche. Diese nehme es „in Kauf, dass wir immer weniger Menschen erreichen“, was in jener Richtung aber „keine kritische Selbstreflexion“ auslöse, „sondern oft eine selbstgerechte Haltung nach dem Motto, dass alles nur am Zeitgeist liege“. Glück weiter: „Es gibt in unserer Kirche gefährliche Selbstschutzreflexe.“ Demgegenüber forderte Glück, „den Fähigkeiten der Laien, der Getauften und Gefirmten, Raum und Entfaltungsmöglichkeiten zu geben“. Dies allerdings erfordere auch bei den Kirchenmitgliedern ein neues Denken, da deren „Kirchenbild“ sei: „Kirche ist dort, wo der Priester ist.“ Nötig aber sei ein „Wandel im Rollenverständnis und im Kirchenverständnis. Die Laien sind mitverantwortlich für den Weg der Kirche – und dafür muss man ihnen aber auch die Möglichkeiten geben, Verantwortung zu übernehmen und mit zu gestalten“, sagte Glück. Unumgänglich sei eine stärkere Laien-Beteiligung schon wegen der Schaffung großflächiger Gemeindestrukturen im Zuge kirchlicher Reformen. „Für die katholische Kirche in Deutschland ist die dringendste Frage, wie die künftige Struktur der Pfarrgemeinden aussieht, ob man den Weg zu zentralisierten Gemeinden geht, je nach Zahl der Priester, oder zu einem Verbund von Gemeinden mit einer neuen Aufgabenverteilung zwischen Priestern und Laien“, sagte Glück. Hieran werde „sich entscheiden, inwieweit die katholische Kirche in Deutschland auch morgen in den Lebensräumen der Menschen noch präsent ist“. Wenn hingegen der Priester zunehmend erlebt werde „als von Termin zu Termin gehetzter `Seelsorgemanager`, werden immer weniger junge Menschen diesem Beruf wählen“.

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