Yasmina Reza: Angela Merkel ist "sehr verführerisch"

Angela Merkel, über dts Nachrichtenagentur
Foto: Angela Merkel, über dts Nachrichtenagentur

Berlin (dts Nachrichtenagentur) – Die französische Schriftstellerin und Theater-Autorin Yasmina Reza hält Bundeskanzlerin Angela Merkel für „sehr verführerisch“. „Man kann keine Politik machen, ohne Verführer zu sein“, sagte Reza der „Welt am Sonntag“. Das gelte auch für Angela Merkel, die sie bereits zweimal getroffen habe.

„Sie ist natürlich nicht verführerisch auf jene Weise, die Modemagazine für verführerisch halten“, sagte die 55-Jährige der „Welt am Sonntag“. Aber „sie hat einen gewissen Charme, wenn man sich mit ihr normal unterhalten kann. Bei öffentlichen Auftritten ist sie ziemlich steif, aber im `Off` ist sie ganz anders. Aber trotzdem entdecke ich da den Wunsch zu verführen, wenn auch auf diskrete Weise.“ Reza, die am 12. Mai aus ihrem neuen Roman „Glücklich die Glücklichen“ in Berlin liest, hatte 2007 Nicolas Sarkozy ein Jahr lang auf dessen Wahlkampf begleitet und darüber ein viel gelobtes Buch über den politischen Betrieb an sich geschrieben. Ihre Erkenntnisse von damals hätten noch heute Gültigkeit. „Politiker wollen kein echtes Leben haben. Das sind Leute, die immer in Bewegung bleiben wollen, vorangetrieben werden, abgehoben sind“, so Reza. „Die Politik erlaubt ihnen das, ähnlich wie Schauspieler, die immer nur die Worte anderer sprechen. Sie benutzen keine öffentlichen Transportmittel, sie haben nicht die Alltagsprobleme wie alle anderen, sie merken nicht, wie die Zeit vergeht, denn sie sind in einer ununterbrochenen Bewegung“, sagte Reza der „Welt am Sonntag“. „Sie haben keine Zeit für Launen oder Anflüge von Melancholie, die Zeit dehnt sich nicht für sie. Meine Überzeugung, die sich während der Arbeit an dem Buch nur bestätigt hat, ist, dass die Politik eine eigene Lebensform ist.“ Die französische Schriftstellerin sprach im Interview auch offen über ihre besondere Beziehung zu Deutschland. „Deutschland war für mich das erste Land, das meine Arbeit ernst genommen hat. Mehr noch als in Frankreich“, sagte sie der Zeitung.

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