WJC-Präsident fordert verstärkte Anstrengungen gegen Antisemitismus

Berlin – Der Präsident des Jüdischen Weltkongresses (WJC), Ronald S. Lauder, ruft angesichts der Welle judenfeindlicher Vorfälle Politik und Gesellschaft in Deutschland dazu auf, dem Antisemitismus entschlossen entgegen zu treten: „Es braucht mehr Anstrengungen in den Schulen, in den Elternhäusern, bei den Fernsehsendern“, schreibt Lauder in einem Gastbeitrag für die „Bild am Sonntag“. „Antisemitische Taten müssen besser erfasst werden. Die Dunkelziffer ist zu hoch.“

Lauder, dessen Jüdischer Weltkongress als Zeichen gegen Judenhass ab Sonntag für vier Tage in Berlin zusammen kommt, schreibt weiter: „Slogans wie „Juden sind Kindermörder“ oder „Juden ins Gas“ waren in diesem Sommer in Europa zu sehen und zu hören – sogar auf Deutschlands Straßen. Im Gewand der Israel-Kritik zeigte sich nackter Antisemitismus plötzlich wieder ganz offen. Das war für viele Juden ein Schock.“ Ein freiheitliches Land könne und dürfe nicht hinnehmen, wenn jemand auf der Straße wegen Israels Politik attackiert oder verleumdet werde. „Die Politik, die Medien, ja die ganze Gesellschaft müssen darauf reagieren.“ Lauder forderte mehr Sicherheit für die in Deutschland lebenden Juden: „Mehr Sicherheit bedeutet aber nicht mehr Polizei vor Synagogen und jüdischen Zentren, sondern vielmehr dafür zu sorgen, dass diese irgendwann nicht mehr gebraucht wird, weil sich Juden überall in Deutschland wieder sicher fühlen können.“ Gerade den Deutschen sollte der Kampf gegen Judenhass Herzensangelegenheit sein, so Lauder weiter. „In den letzten 25 Jahren gab es eine jüdische Renaissance in Deutschland – sie soll weitergehen. Dazu braucht es Vertrauen. Damit dieses Vertrauen nicht enttäuscht wird, muss der Antisemitismus mit aller Macht bekämpft werden. Ich bin sicher, dies wird Deutschland gelingen.“ Zu der für Sonntagnachmittag geplanten Großkundgebung gegen Antisemitismus in Berlin mit Bundespräsident Joachim Gauck und Kanzlerin Angela Merkel sagte Lauder: „Wir Juden sind dafür dankbar.“

Über dts Nachrichtenagentur

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