Volkratshofen – Spezialisten nehmen Waffenschrank unter die Lupe

Memmingen | 30.05.2012 | 12-1158

IMG 6322Wie mehrfach berichtet, war am 22.05.2012 gegen Mittag ein 14-Jähriger in der Lindenschule in Memmingen bemerkt worden, der mehrere Waffen mit sich führte.

Aufgrund dieser Feststellung wurde umgehend die Polizei verständigt. Die Schüler und deren Lehrkräfte, die sich zunächst in den Klassenzimmern eingesperrt hatten, konnten nach der erfolgten Durchsuchung des Gebäudes durch die Polizei die Schule verlassen. Gegen 17.30 Uhr wurde der 14-jährige Schüler in Memmingen, Ortsteil Steinheim, nahe dem Sportplatz von Einsatzkräften der Polizei festgestellt. Der Jugendliche führte Schusswaffen bei sich und gab mehrere Schüsse ab. Mit dem Schüler, der sich in einem Unterstand verschanzt hatte, konnte Kontakt aufgenommen werden. Die Bemühungen der Polizei, den Jungen zur Aufgabe zu bringen, zeigten letztlich Erfolg. Um 20.10 Uhr gab der Schüler auf. Er wurde durch Polizeikräfte festgenommen und einem Notarzt zugeführt. Die drei Schusswaffen, sowie zugehörige Munition wurden sichergestellt. Nach der Festnahme wurde dieser noch in der Nacht in eine jugendpsychiatrische Einrichtung gebracht, wo er sich bis zum jetzigen Zeitpunkt befindet. Sowohl im Bereich der Lindenschule in Memmingen, als auch im Bereich Steinheim wurden keine Personen körperlich verletzt. Der Jugendliche macht derzeit keine Angaben zum Sachverhalt, weshalb seine Motivlage weiterhin ungeklärt ist. Bei der Vorführung des Jungen vor dem Haftrichter erließ dieser Unterbringungsbefehl wegen versuchten Totschlags zum Nachteil von mehreren Polizeibeamten.


Die Ermittlungen der Kriminalpolizeiinspektion Memmingen haben ergeben, dass die sichergestellten Schusswaffen aus dem Besitz des 53-jährigen Vaters des Jugendlichen stammen. Diese waren in einem eigenen Raum gelagert, der durch eine Stahltüre mit Sicherheitsschloss gesichert war. Der Schlüssel zu dieser Türe wurde in einem Möbeltresor mit elektronischem Schloss aufbewahrt. Zur Klärung der Art und Weise wie der Schüler an die Waffen gelangte, erfolgte am Dienstag gegen 17.30 Uhr aufgrund richterlichen Beschlusses eine Durchsuchung des Familienanwesens mit dem Ziel, entsprechende Beweismittel sicherzustellen. Bei dieser Durchsuchungsaktion waren rund 20 Beamte im Einsatz, darunter auch ein Spezialist des Bayerischen Landeskriminalamtes (BLKA) für den Bereich Sicherungstechnik/Waffenaufbewahrung sowie zwei Vertreter der Stadt Memmingen. Aufgrund der am Dienstag erlangten Erkenntnisse ist davon auszugehen, dass der Jugendliche das elektronische Zahlenschloss des Tresors so manipuliert hat, dass ihm zu einem späteren Zeitpunkt der Zugang zu dem Schlüssel für den Waffenraum möglich war. Die Öffnung des Tresors mittels eines speziellen Werkzeuges, wie sie ebenfalls theoretisch möglich wäre, konnte nicht belegt werden.
Im Rahmen der Besichtigung der Sicherungseinrichtungen wurde von dem Sachverständigen des Bayerischen Landeskriminalamts festgestellt, dass die Stahltüre des Waffenraumes über keine ausreichende Schutzklasse für die in diesem Raum gelagerte große Anzahl an Waffen verfügte. Als Folge wurde von den Vertretern der Stadt Memmingen als zuständige Sicherheitsbehörde die Genehmigung zur Waffenaufbewahrung mit sofortiger Wirkung widerrufen und die Waffen durch die anwesenden Beamten sichergestellt. Insgesamt 37 Waffen, darunter 12 erlaubnispflichtige Lang- und 15 erlaubnispflichtige Kurzwaffen wurden abtransportiert. Ein Ermittlungsverfahren wegen Verstößen nach dem Waffen und nach dem Sprengstoffrecht wurde eingeleitetet.
Die Spurensicherungsmaßnahmen zu dem Vorfall am 22.05.2012 konnten zwischenzeitlich abgeschlossen werden. Im Rahmen von diesen Maßnahmen bei denen auch ein 3D-Laserscanner des Bayerischen Landeskriminalamtes zum Einsatz kam, wurde festgestellt, dass es zu einer Schussabgabe im Bereich des Eingangs der Mensa der Schule kam. Im Bereich des Sportplatzes Steinheim wurden über 70 Patronenhülsen sichergestellt. Bei der Spurensicherung wurden 12 Einschüsse festgestellt, die aus Schussabgaben in Richtung der eingesetzten Polizeibeamten stammen. Aufgrund der auf die Spezialkräfte gezielt abgegebenen Schüsse, wurde seitens der Polizei ein Warnschuss in den Boden in dem Bereich vor dem Schüler abgegeben.

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