US-Ökonom warnt vor einem weiteren "verlorenen Jahrzehnt in Europa"

Flagge der EU, über dts Nachrichtenagentur
Foto: Flagge der EU, über dts Nachrichtenagentur

Berlin – Der US-Ökonomie-Nobelpreisträger Joseph Stiglitz attackiert die Bundesregierung für ihre Europapolitik. Der von Bundeskanzlerin Angela Merkel für Europa verordnete Sparkurs sei „gescheitert“, sagte Stiglitz in einem Interview mit dem „Handelsblatt“ (Dienstagausgabe). „Europa hat schon ein verlorenes Jahrzehnt erlitten und es droht ein weiteres, wenn sich nichts ändert.“ „Hohe Arbeitslosigkeit, niedrigere Löhne und geschwächte Sozialsysteme – all das wurde im Namen der Euro-Rettung in Kauf genommen“, sagte Stiglitz.

Er forderte eine vollständige „Bankenunion mit gemeinsamer Einlagensicherung“, einen gemeinsamen Solidaritätsfonds und eine „gemeinsame Schuldenaufnahme“, also eine Art Eurobonds. Deutschland müsse als größte Volkswirtschaft in Europa am Ende ohnehin die Rettungskosten tragen. Eine Einführung von Eurobonds sei der günstigere Weg. Außerdem warnte Stiglitz vor der wachsenden Ungleichheit in den Gesellschaften infolge der ultralockeren Geldpolitik. Diese Geldpolitik treibe die Aktienmärkte ständig auf neue Hochs, wovon „vor allem die Reichen profitieren“, so Stiglitz. „Aus diesem Grund plädiere ich dafür, dass die Fiskalpolitik den entscheidenden Beitrag zur Überwindung der Krise leisten muss. Denn sie kann viel zielgerichteter sein als die Geldpolitik“, sagte Stiglitz.

Über dts Nachrichtenagentur

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