US-Ökonom Taleb bezeichnet den Euro als Zeitverschwendung

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New York – Der US-Ökonom und Bestsellerautor Nassim Nicholas Taleb kritisiert den Euro als Fehlentscheidung: „Die gemeinsame europäische Währung ist die größte Zeitverschwendung“, sagte der 55-jährige Finanzmathematiker dem „Handelsblatt“ (Mittwochsausgabe). „Als ich noch Wertpapierhändler an der Wall Street war, gab es die Deutsche Mark, den österreichischen Schilling et cetera. Niemand hat sich damals um den Schilling geschert“, sagte Taleb.

„Unser Maßstab war die Deutsche Mark. Sie war die Schattenwährung für Österreich und viele andere Länder. Eine gemeinsame Währung ist daher nur oberflächlich. Der Euro hat nichts grundlegend verändert.“ Taleb ist davon überzeugt, dass Systeme „antifragile“ Eigenschaften haben müssen, um zu überleben. Um Risiken zu vermeiden, müsse die Vielfalt maximiert werden, nur so könnten organisch Risiken gemanagt werden. „Deutschland ist dafür ein gutes Beispiel. Der Mittelstand in der Bundesrepublik ist ein Stabilitätsfaktor“, sagte der Ökonom. „Deutschland ist aus meiner Sicht das wahrscheinlich beste Land in Europa.“ Für Europa ist Taleb hingegen pessimistisch. Durch den EU-Einigungsprozess komme Europa ökonomisch zu immer größeren Einheiten, die zwangsläufig zu mehr Fragilität führten. „In Europa gibt es einen Mangel an Unternehmertum. Das wird die zukünftigen Generationen entscheidend beeinflussen.“ Es gebe zu wenige Entscheider, die unternehmerische Risiken im positiven Sinn eingehen würden. „Je mehr der Ausbildungsstand in Europa stieg, umso geringer wurde die Zahl der Risikobereiten“, warnte der in New York lebende Wissenschaftler.

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