Unterallgäu – Seniorenkonzept – Früher Zugang zum sozialen Hilfesystem

Landkreis Unterallgäu + 17.07.2012 + 12-1761

Seniorenkonzept: Neues Projekt will soziale Verantwortung innerhalb der Gemeinden stärken.

Sie ist 91 Jahre alt und stolz darauf, noch immer allein in ihren eigenen vier Wänden leben zu können. Jeden Mittag bringt ein ambulanter Dienst ein warmes Mittagessen. Irgendwann fällt dem Mitarbeiter aber auf, dass die alte Dame jemanden bräuchte, der sie auch in anderen Situationen unterstützt. Zum Beispiel gerät der Haushalt aus den Fugen, die Dame berichtet über Stürze, sie nimmt ihre Medikamente nur unregelmäßig. Aber was tun? Bald wird er sich in einem solchen Fall an eine „Kümmergruppe“ rund um den Seniorenbeauftragten der betreffenden Gemeinde wenden können. „Früher Zugang zum sozialen Hilfesystem“ nennt sich das Projekt, das Markus Riker vom BRK jetzt den Seniorenbeauftragten der Unterallgäuer Gemeinden vorgestellt hat. Es ist im Rahmen des Seniorenkonzepts des Landkreises entstanden und soll nun in den kommenden Monaten in so vielen Gemeinden wie möglich umgesetzt werden. Auch die Stadt Memmingen will sich daran beteiligen.

„Mitarbeiter der so genannten aufsuchenden Dienste, also zum Beispiel „Essen auf Rädern“, Rettungsdienst oder von Sozialstationen, erkennen häufig als Erstes, dass ein alter Mensch weitere Hilfe im Alltag braucht, um lange zuhause leben zu können“, sagt Markus Riker, Leiter der Sozialarbeit beim BRK Unterallgäu. Er engagierte sich in der Arbeitsgruppe, die das Projekt im Rahmen des Seniorenkonzepts des Landkreises ausgearbeitet hat. Wichtig sei es dann aber, dass die Mitarbeiter wüssten, an wen sie sich in einem solchen Fall wenden können, damit der Betroffene schnell und unbürokratisch Hilfe bekommt – die vielleicht auch nur darin besteht, dass einmal pro Woche jemand für ihn einkauft oder im Haus nach dem Rechten sieht.

Dies soll jetzt über das Projekt „Früher Zugang zum sozialen Hilfesystem“ erreicht werden. In den Gemeinden, die sich am Projekt beteiligen, soll dabei um den örtlichen Seniorenbeauftragten ein kleines Netzwerk von ehrenamtlichen „Kümmerern“ entstehen. Diese nehmen, wenn sie angesprochen werden, Kontakt mit dem Hilfsbedürftigen auf und versuchen, gemeinsam mit ihm Lösungen zu finden – immer im Einvernehmen mit dem Betroffenen, dessen Angehörigen oder gesetzlichen Vertretern. „Viele kleinere Probleme können im Rahmen von bürgerschaftlicher oder gemeindlicher Hilfe gelöst werden“, ist Riker überzeugt.

In den kommenden Monaten bietet der Kreisverband des Roten Kreuzes (BRK) in Mindelheim und Memmingen spezielle Schulungen für die Mitarbeiter der „aufsuchenden Dienste“ an, um sie für das Thema zu sensibilisieren und ihnen Anlaufstellen zu nennen. Auch die „Kümmerer“ werden laut Riker für ihre sensible Aufgabe von BRK und Landratsamt geschult und begleitet.

„Wir möchten über dieses Projekt die soziale Verantwortung innerhalb der Gemeinde stärken. Uns ist bewusst, dass das Thema nicht einfach ist, aber wir denken, dass wir alle die Augen offen halten müssen“, so Riker. In welchen Gemeinden das Projekt umgesetzt wird, hängt nun von den jeweiligen Seniorenbeauftragten und den Gemeinden ab. Die Seniorenbeauftragten wurden nun bei Treffen in Westerheim und Türkheim umfassend über das Projekt informiert; die Gemeinden erhalten eigens Informationen, wie Seniorenkonzept-Koordinator Hubert Plepla sagt. „Ich hoffe, dass möglichst viele Gemeinden mitmachen.“

Umfassende Informationen zum Seniorenkonzept des Landkreises findet man auch im Internet unter www.unterallgaeu.de/seniorenkonzept



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