Umfrage: Welt- und Geldpolitik trübt Investorenstimmung

Frankfurt/Main (dts Nachrichtenagentur) – Die kriselnde Weltwirtschaft und ungelöste geopolitische Konflikte belasten zunehmend die Anlagebereitschaft von Investoren. Die meisten Entscheidungsträger erwarten für 2016 deutlich niedrigere Aktienkurse, Zinsen und Rohstoffpreise als noch vor einem Jahr, so das Ergebnis einer Umfrage bei rund 400 Teilnehmern einer Kapitalmarktkonferenz der Commerzbank am Mittwoch in Frankfurt. Chinas Wirtschaftsentwicklung sehen 39 Prozent der befragten Investoren als größte wirtschaftliche Herausforderung 2016 an.

Weitere Risiken im laufenden Jahr erwarten die Konferenzteilnehmer durch die lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (26 Prozent), ein Platzen von Blasen infolge einer weitergehenden Vermögenspreis­inflation bei Immobilien oder Aktien (21 Prozent) sowie durch die Zinspolitik der US-Notenbank Fed und die Brexit-Abstimmung in Großbritannien (je sieben Prozent). Allerdings rechnet nur jeder Fünfte damit, dass die Briten im Juni tatsächlich für einen Ausstieg aus der Europäischen Union stimmen. Angesichts zahlreicher geopolitischer Krisenherde blicken Anleger weniger zuversichtlich auf die Kapitalmarktentwicklung: Beim DAX rechnen der Umfrage zufolge 85 Prozent nicht mehr mit einem Anstieg auf 11.000 Punkte im Laufe eines Jahres, im Gegensatz zur Konferenz 2015, als noch 80 Prozent mit höheren Kursen gerechnet hatten. Für den Rohölpreis erwarten zwar die meisten Investoren in den nächsten zwölf Monaten einen Anstieg über das gegenwärtige Niveau. Aber höhere Preise als 60 US-Dollar je Barrel der Sorte Brent können sich nur elf Prozent der Befragten vorstellen, während vor einem Jahr noch 40 Prozent einen Preis von 70 US-Dollar und mehr erwartet hatten. Bei den Zinsen rechnen laut Umfrage 33 Prozent (Vorjahr 27 Prozent) der Konferenzteilnehmer mit einer negativen Rendite zehnjähriger Bundesanleihen im Laufe der nächsten zwölf Monate. Nur ein Drittel erwartet, dass die US-Notenbank Fed ihre Zinswende konsequent fortführt und mindestens zwei Mal dieses Jahr die Leitzinsen anhebt.

Frankfurter Wertpapierbörse, über dts Nachrichtenagentur
Foto: Frankfurter Wertpapierbörse, über dts Nachrichtenagentur