Umfrage: Viele deutsche Spitzenmanager fürchten sich vor Japan

Berlin – Japan könnte zur großen Gefahr für die hiesige Wirtschaft werden: Viele Top-Manager aus Deutschland fürchten laut einer Umfrage, dass die drittgrößte Volkswirtschaft im Kampf gegen die Rezession zu Mitteln greift, die Deutschland hart treffen könnten. Das ist das Ergebnis der Umfrage unter den Mitgliedern des „Leader`s Parliament“ von „Roland Berger Strategy Consultants“ und der „Welt“-Gruppe. In der Umfrage waren die 144 Teilnehmer gefragt worden, ob die erneute Rezession und eine Abwertung des Yen auch eine Gefahr für Deutschland sei.

Knapp die Hälfte der Befragten befürchtet demnach, dass sich Japan einen Abwertungswettlauf mit dem Rest der Welt liefern könnte. Das würde vor allem die deutschen Exporteure hart treffen. Japan war im zweiten Quartal überraschend in die Rezession gerutscht. Premier Shinzo Abe kündigte daraufhin an, das gigantische Gelddruckprogramm auszuweiten. Am Freitag löste er zudem das Parlament auf und schrieb Neuwahlen für Dezember aus, um bei seiner Politik freie Hand zu haben. Japan steckt seit mehr als zwei Jahrzehnten in einer Endlosschleife aus sinkenden Preisen und einer schrumpfenden Wirtschaft fest. Nun soll mit „Abenomics“, wie Abes unkonventionelles Programm auch genannt wird, der ersehnte Befreiungsschlag gelingen. Während für rund 23 Prozent der Manager Japans Gewicht in der Weltwirtschaft längst nicht mehr groß genug ist, um zu einer ernsthaften Gefahr zu werden, hofft ein gutes weiteres Viertel der Befragten auf China, um Japans Schwäche zu kompensieren. Doch die China-Hoffnung könnte sich als trügerisch erweisen. So sah sich die chinesische Notenbank am Freitag gezwungen, die Leitzinsen zu senken, um die Wirtschaft anzukurbeln. Insbesondere für Deutschland könnte die japanische Abwertungsstrategie gefährlich werden. Denn Japan und Deutschland leben zum guten Teil vom Export und haben eine ähnliche Wirtschaftsstruktur. Es ist nicht das erste Mal, dass sich deutsche Manager vor Japan fürchten. In den 1980er-Jahren traten die großen japanischen Konzerne mit neuen Produktionsmethoden ihren globalen Siegeszug an und kauften sich überall in der Welt Prestigeobjekte wie das Empire State Building in New York.

Über dts Nachrichtenagentur

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