Thyssenkrupp investiert Milliarden in klimaneutrale Stahlerzeugung

Essen (dts Nachrichtenagentur) – Der Essener Industriekonzern Thyssenkrupp treibt die Reduktion seiner Kohlenstoffdioxid-Emissionen weiter voran und hat nun erstmals ein Datum für die Umstellung auf wasserstoffbasierte Stahlerzeugung festgelegt. Bis 2050 will der Konzern insgesamt zehn Milliarden Euro in die Erneuerung seiner Anlagen investieren, um die Kokskohle zu ersetzen und einen „Beitrag zum Klimaschutz“ zu leisten, kündigte Thyssenkrupp-Stahlchef Andreas Goss im „Handelsblatt“ an. Neben der Rückgewinnung und Verarbeitung von CO2, die der Konzern im Projekt „Carbon2Chem“ erforscht, wolle Thyssenkrupp künftig auch versuchen, CO2 gar nicht erst entstehen zu lassen, sagte Goss weiter.

„Deshalb haben wir nun einen Fahrplan für die Umstellung auf eine wasserstoffbasierte Stahlerzeugung aufgestellt.“ Mit der Ankündigung reagiert der Konzern auch auf jüngste Pläne der EU, die europäische Wirtschaft ab 2050 auf vollständig CO2-freie Produktionsverfahren zu verpflichten. Mit einem Anteil von rund 30 Prozent an den gesamten CO2-Emissionen der Industrie stehen die Stahlhersteller dabei besonders im Fokus: Viele Unternehmen produzieren ihren Stahl im sogenannten Hochofenverfahren, bei dem das Klimagas aufgrund der chemischen Prozesse bei der Stahlherstellung zwangsläufig anfällt. Auch andere Hersteller wie Voestalpine oder Salzgitter forschen deshalb an Produktionsverfahren, bei denen die Kokskohle im Hochofen durch Wasserstoff ersetzt wird. Damit die Umstellung flächendeckend gelingen kann, brauche es allerdings passende Rahmenbedingungen, sagte Goss: „Das betrifft einmal die Versorgung mit Wasserstoff, aber auch die ausreichende Energieerzeugung. Das sind Faktoren, die wir nur begrenzt beeinflussen können.“ So rechnet allein Voestalpine durch die Umstellung auf Wasserstoff mit einem Mehrbedarf an Energie von etwa 30 Terawattstunden pro Jahr, was aktuell dem halben Energiebedarf ganz Österreichs entspricht. Thyssenkrupp kalkuliert für den Standort in Duisburg sogar mit einem Vielfachen davon.

Thyssenkrupp, über dts Nachrichtenagentur
Foto: Thyssenkrupp, über dts Nachrichtenagentur