Studie: Viele Versicherer rekrutieren Chefs im eigenen Unternehmen

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Berlin – Ein Großteil der Vorstandschefs von Versicherungsgesellschaften wird intern bestimmt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der „Insurance CEOs – Route to the Top: DNA of Top Performers & recent shifts in CEO profiles“ der globalen Personalberatungsgesellschaft „Russell Reynolds Associates“, die dem „Handelsblatt“ (Mittwochausgabe) vorliegt. „Mehr als in anderen Sektoren wird in der Assekuranz die Mehrheit der CEOs intern benannt“, schreiben die Autoren in ihrer Analyse.

Vor allem die größten deutschen Versicherer folgten einem „übertriebenen Trend“, ihren Chef aus den eigenen Reihen zu rekrutieren; in gerade einmal 15 Prozent der Fälle käme der Vorstandsvorsitzende von außerhalb. Zum Vergleich: Bei den führenden börsennotierten Unternehmen Großbritanniens seien es mehr als doppelt so viele. Aufsichtsräte definierten den langfristigen Aufbau geeigneter interner CEO-Kandidaten zwar als zentrale strategische Aufgabe, so ein weiteres Ergebnis der Studie. „Hierdurch fehlen allerdings externe Impulse an der Unternehmensspitze”, sagte Matthias Oberholzer, Managing Director und Leiter der globalen Insurance Practice bei „Russell Reynolds Associates“. „Das kann sich insbesondere in Zeiten der rasanten Digitalisierung für eine noch sehr analog geprägte Industrie als strategischer Nachteil erweisen.” Während andere Branchen erkannt hätten, dass Innovation längst kein Kostenfaktor mehr ist, betrieben die Versicherer Nabelschau, kritisierte Hermann Weinmann, Leiter des Finance-Instituts der Hochschule Ludwigshafen. „Wenn die Branche weiter auf Eigengewächse und Seilschaften von innen setzt, verpasst sie wichtige Innovationen und überlässt digitalen Angreifern wie beispielsweise Google das Feld“, mahnte Versicherungsexperte Weinmann.

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