Studie: Jeder Vierte in Arbeitslosenversicherung bekommt kein Geld

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Berlin – Jeder vierte Arbeitslose, der von der Arbeitslosenversicherung betreut wird, bekommt laut einer Studie kein Geld. Im Jahresdurchschnitt 2013 waren das laut der Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), die der „Welt“ vorliegt, ganze 234.692 Personen von insgesamt 969.598 Arbeitslosen. Das Besondere an dieser Gruppe ist der Studie zufolge, dass sie relativ gut qualifiziert und motiviert ist – und dennoch schlechter gefördert wird als jene, die Arbeitslosengeld erhalten.

„Gerade mit Blick auf den Fachkräftemangel ist die Gruppe wertvoll, und dennoch wird sie vernachlässigt“, sagte Sabrina Klaus-Schelletter, die die Studie gemeinsam mit Wilhelm Adamy verfasst hat. „Wer Anspruch auf Arbeitslosengeld hat, der hat oft Vermittlungsvorrang“, sagte Adamy. Die BA richte sich auch danach, wer in die Versicherung eingezahlt habe. Zu den Personen, die von der Bundesagentur für Arbeit (BA) betreut werden, ohne Geld zu erhalten, gehören zum Beispiel jene, die innerhalb von zwei Jahren nicht zwölf Monate lang in einem sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachgegangen sind und somit keinen Anspruch auf die Leistung haben, aber auch keinen Anspruch auf Hartz IV geltend machen wollen oder können. Oder aber Arbeitslose, deren zwölfmonatiger Bezug von Arbeitslosengeld ausgelaufen ist, die aber im Versicherungssystem bleiben, weil sie Vermögen haben und deshalb nicht in die Grundsicherung (Hartz IV) rutschen. In der Gruppe der sogenannten „Nicht-Leistungsempfänger“ sind besonders viele Akademiker vertreten: 16,7 Prozent von ihnen waren 2013 im Besitz eines akademischen Abschlusses, unter den Arbeitslosen mit Anspruch auf Leistungen betrug dieser Anteil nur 11,3 Prozent. Eine betriebliche oder schulische Ausbildung hatten 57 Prozent der Arbeitslosen ohne Leistungsanspruch, bei denen mit Anspruch waren es 65 Prozent. Der Anteil der Personen ohne Schulabschluss war in beiden Gruppen ähnlich: Er betrug 24,9 Prozent bei denen mit Arbeitslosengeld und 22,6 Prozent bei den anderen. Fakt ist, dass die Arbeitslosen, die von der BA keine finanziellen Leistungen erhalten, weniger stark gefördert werden, obwohl sie den gleichen rechtlichen Anspruch auf Fördermaßnahmen haben wie die Arbeitslosen, die Geld erhalten. So betrug ihre „Aktivierungsquote“, also die Zahl, die Teilnehmer an Maßnahmen der Arbeitsförderung zu den Arbeitslosen in Relation setzt, 2013 im Schnitt zwölf Prozent. Insgesamt lag die Quote aber bei 17,3 Prozent bei allen Arbeitslosen im Versicherungssystem – das heißt, die Quote liegt bei den Leistungsempfängern mit über 22 Prozent deutlich höher. Die Reaktion der BA ist vage: „Dass Nichtleistungsempfänger eine geringere Aktivierungsquote aufweisen als Leistungsempfänger, kann verschiedene Gründe haben. Die Zahl der Maßnahmeteilnehmer hängt auch von den gesetzlichen Regelungen ab. Den Gründungszuschuss zum Beispiel nehmen faktisch nur Leistungsempfänger in Anspruch, da er an den vorherigen Bezug von Arbeitslosengeld gekoppelt ist.“ Klar ist, dass die BA ein großes betriebswirtschaftliches Interesse daran hat, zunächst diejenigen in eine Arbeit zu vermitteln und zu diesem Zweck zu fördern, denen sie Geld zahlt – sind sie vermittelt, spart sie sofort Geld. Insgesamt ist die Gruppe der Nicht-Leistungsempfänger in den vergangenen Jahren parallel zur guten Konjunkturlage gesunken – 2007 waren es mit 500.000 noch mehr als doppelt so viele wie heute. Überraschend ist den Autoren zufolge, dass inzwischen Männer den Großteil der Gruppe ausmachen und nicht mehr Frauen. Traditionell gilt diese Gruppe als vorwiegend weiblich. Frauen, die einige Jahre zu Hause blieben, um ihre Kinder zu erziehen, und dann den Weg zurück in den Arbeitsmarkt suchen, stellten lange Zeit die Mehrheit. Das hat sich offenbar geändert: 2013 zählte die Gruppe etwas mehr Männer (119.000) als Frauen (115.635). 2007 waren noch zwei Drittel aller Nichtleistungsempfänger Frauen, mehr als jede zweite arbeitslose Frau gehörte dazu – heute ist es nur noch jede vierte. Der Rückgang der Arbeitslosen ohne Arbeitslosengeld ist der Studie zufolge am stärksten bei westdeutschen Frauen zu beobachten. Diese Entwicklung dürfte auch das Resultat eines Kulturwandels sein, der durch die Einführung des Elterngeldes und des Kita-Ausbaus unterstützt wurde, sagte Klaus-Schelletter. Frauen steigen schneller wieder in den Arbeitsmarkt ein, nachdem sie Kinder bekommen. Da sie meist gut ausgebildet sind, profitieren sie besonders von der guten Lage auf dem Arbeitsmarkt.

Über dts Nachrichtenagentur

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