Stoiber vermisst Leidenschaft in politischen Debatten

Edmund Stoiber, Deutscher Bundestag  / Meldepress,  Text: über dts Nachrichtenagentur
Foto: Edmund Stoiber, Deutscher Bundestag / Meldepress, Text: über dts Nachrichtenagentur

Berlin – Der frühere bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) hat die Mutlosigkeit in der Politik und die Langeweile der politischen Debatten beklagt und diese für die geringe Wahlbeteiligung mitverantwortlich gemacht. „Ich plädiere für mehr Herz und mehr Emotionen“, sagte der CSU-Ehrenvorsitzende im Interview mit der Illustrierten „Bunte“. „Mir fehlt wirklich die Leidenschaft in den Debatten. Deswegen haben wir auch weniger Beteiligung an den Wahlen.“

Allerdings sei es heute auch schwieriger geworden, Klartext zu reden. „Es ist schwer, sich pointiert und leidenschaftlich auszudrücken. Eckige Typen werden leider vom Shitstorm geschliffen – oder sie werden weggepustet.“ Stoiber bedauerte, dass es kaum noch Debatten über große gesellschaftliche Prozesse gebe. „Ich vermisse diese auch in den Feuilletons“, sagte er der Illustrierten. „Wie halten wir es etwa mit Freiheit, Recht und Ordnung? Wie sicher oder bedroht ist unser Frieden? Welche Verantwortung tragen wir für die nächste Generation? Das sind wichtige Themen, da wünschte ich mir mehr Leidenschaft in der Diskussion.“ Demokratie als Staatsform basiere auf relativ kurzfristigem Denken bis zur nächsten Wahl. „Unpopuläre, aber notwendige Entscheidungen verlangen den Mut, über die Gegenwart und die nächsten Umfrageergebnisse hinaus zu denken. Den haben wenige. Aber den braucht unsere Demokratie“, so Stoiber.

Über dts Nachrichtenagentur

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