Staatliches Tierwohllabel: SPD und Tierschutzbund kritisieren Schmidt

Berlin (dts Nachrichtenagentur) – Der Deutsche Tierschutzbund hat die Bundesregierung aufgefordert, bei der Umsetzung des geplanten staatlichen Tierwohllabels mehr Tempo zu machen: Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) vergebe viel Zeit, „in der Tiere in den Ställen weiter leiden und handlungsbereite Landwirte keine Planung angehen können“, sagte Verbandspräsident Thomas Schröder der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Donnerstag). Schröder kritisierte, dass der Minister sich nicht an sein Versprechen gehalten habe, bis Ostern Details zum geplanten Label zu nennen. Auch vom Koalitionspartner in der Bundesregierung wird Schmidt kritisiert.

Christina Jantz-Herrmann, Tierschutzbeauftragte der SPD-Bundestagsfraktion, sagte auf Anfrage der Zeitung: „Was bisher über Minister Schmidts Label-Pläne nach außen dringt, lässt leider nicht viel Gutes erahnen.“ Die Anforderungen an Tierwohl müssten deutlich über dem gesetzlichen Mindeststandard liegen. „Das Label droht, wie die bisherige Tierschutzpolitik von Christian Schmidt, eine Luftnummer zu werden“, so Jantz-Herrmann. Tierschutzpräsident Schröder warnte Schmidt indes davor, die „Initiative Tierwohl“ von Handel und Agrarbranche zum staatlichen Label umzudeklarieren. „Die Kriterien der Brancheninitiative taugen nicht für nachhaltigen Tierschutz im Stall“, so Schröder. Der Tierschutzbund werde die Entwicklung des staatlichen Labels nur dann weiter unterstützen, „wenn erkennbar wird, dass das staatliche Label machbare und messbare Verbesserungen für die Tiere bringt und glaubwürdig über dem gesetzlichen Standard liegt“. Dies bedeute zwangsläufig, dass die Bundesregierung auch Stallumbauten fördere. „Da geht es dann um Milliarden, nicht um Millionen“, so Schröder.

Landwirtschaftsminister Christian Schmidt am 06.10.2014, über dts Nachrichtenagentur
Foto: Landwirtschaftsminister Christian Schmidt am 06.10.2014, über dts Nachrichtenagentur