Sipri erwartet Zusammenrücken der Nato wegen Ukraine-Krise

Britisches Kampfflugzeug Eurofighter Typhoon, über dts Nachrichtenagentur
Foto: Britisches Kampfflugzeug Eurofighter Typhoon, über dts Nachrichtenagentur

Berlin – Das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri erwartet angesichts des Ukraine-Konflikts eine deutlich stärkere militärische Zusammenarbeit in der Nato. „Ich rechne damit, dass auf dem Nato-Gipfel im September neue Initiativen und die Stärkung bestehender Programme verkündet werden“, sagte Sipri-Leiter Ian Anthony im Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Mittwoch). Als wahrscheinlich bezeichnete er regelmäßigere Übungen mit mehr Nato-Ländern zur Territorialverteidigung gegen Aggressionen von außen.

Außerdem erwartet der Sipri-Direktor einen „stärkeren militärischen Fußabdruck der USA in Europa“, etwa in Form von Depots mit US-Militärausrüstung. „Solche Dinge stehen jetzt eindeutig auf der Agenda. Worüber entschieden werden muss, ist die Größenordnung“, sagte Anthony. Mit der Annexion der Krim durch Russland und den Kämpfen in der Ostukraine hätte sich die Beziehung zwischen Russland und den meisten anderen europäischen Ländern verändert. „Wir beginnen gerade erst zu verstehen, welche Konsequenzen das hat“, sagte der Wissenschaftler der Zeitung. Der Anfang der 1990er-Jahre vereinbarte Grundsatz, das Grenzen in Europa nur noch friedlich verändert werden dürften, stehe nun infrage. Mit einer breiten westeuropäischen und US-Aufrüstung, wie sie teils von Nato-Offiziellen gefordert wird, rechnet Anthony hingegen nicht. Realistisch sei, dass der Westen seine Rüstungsausgaben wegen der Spannungen mit Russland stabilisiere, statt sie weiter zu senken wie in den vergangenen Jahren. Ausnahmen sieht der Sipri-Chef in Polen und in baltischen Staaten, die sich gegenüber Russland für besonders verwundbar halten. Diese Länder hätten ihre Militärausgaben zuletzt gesteigert.

Über dts Nachrichtenagentur

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