Schritt Richtung Freiheit – Debra Milke schon bald ohne Fußfessel?

br_daserste_logoDie deutschstämmige Amerikanerin Debra Milke ist ihrer Freiheit einen großen Schritt näher. Ein Berufungsgericht im Bundesstaat Arizona hat gestern angeordnet, die Mordanklage gegen die 50-Jährige fallenzulassen. Das könnte zur Folge haben, dass Debra Milke schon in den nächsten Tagen die Fußfessel abgenommen wird – ein Moment, auf den sie schon lange wartet. Debra Milke sei angespannt und gleichzeitig freudig erlöst gewesen, als sie von der Entscheidung des Berufungsgerichts erfahren hat: „Sie sagte, sie habe einen Knoten im Bauch“, berichtet der Freund und Unterstützer Frank Aue report München. „Sie hat immer gesagt: Sie ist keine schuldige Person, die nach einem rechtlichen Schlupfloch sucht, sondern sie ist eine unschuldige Person, die nach Gerechtigkeit sucht. Und da sind wir jetzt einen gewaltigen Schritt weiter“, sagt Frank Aue weiter. Das Berufungsgericht folgte mit seiner Entscheidung der Argumentation von Milkes Anwälten: Ein erneuter Prozess auf der Basis derselben Mordanklage verstoße gegen die Verfassung von Arizona, weil niemand zweimal für dasselbe Verbrechen vor Gericht gestellt werden dürfe. In der Schlusserklärung wirft das Berufungsgericht dem Staat Arizona „schweres Fehlverhalten“ vor, „er hat jahrelang entlastendes Beweismaterial unterdrückt.“ Der Staatsanwalt von Arizona plane allerdings schon, Einspruch gegen das Urteil einzulegen und den Fall bis zum Obersten Gerichtshof von Arizona zu bringen. Die Anwälte vermuten, dass bis dahin noch einmal drei bis vier Monate vergehen können. Daher beabsichtigen sie, noch heute am Freitag den Antrag zu stellen, dass Debras Auflagen gelockert werden und vor allem die Fußfessel abgenommen wird. Mehr als zwei Jahrzehnte saß Debra Milke im Frauengefängnis Perryville / Arizona in der Todeszelle. Im Januar 1991 wurde sie wegen Anstiftung zum Mord an ihrem vierjährigen Sohn zum Tode verurteilt. Im September 2013 konnte Debra Milke schließlich das Gefängnis unter Auflagen und auf Kaution verlassen: Das Berufungsgericht erklärte das Urteil wegen mangelnder Beweise für ungültig – der Staat Arizona hat daraufhin erneut Anklage erhoben. Der Bayerische Rundfunk berichtet seit vielen Jahren über den Fall Debra Milke. Im Frühjahr 2011 hatten Autoren von report München die Möglichkeit, Debras Mutter Renate Janka, sie verstarb dieses Jahr nach langer Krankheit, nach Phoenix zu begleiten und dort ein exklusives Telefoninterview mit Debra Milke zu führen. Damals war sie, trotz der langen Zeit in der Todeszelle, überzeugt, dass alles ein gutes Ende nehmen würde: „Im Augenblick komme ich hier nicht weg. Aber eines Tages werde ich rauskommen. Das hilft mir, mit dieser emotionalen Unruhe fertigzuwerden.“ Seit 15 Monaten ist sie nicht mehr im Gefängnis, und ihre endgültige Freiheit ist ein gewaltiges Stück näher gerückt.

Quellenangabe von Report München