Schongau – Zusammenfassung der Ereignisse der Gondel-Rettung

Lkrs. Ostallgäu/Schwangau | 13.08.2011 | 11-758

Ein Gleitschirmunfall, der sich am Freitag, 12.08.2011, gegen 13 Uhr, ereignet hatte, war Auslöser für eine aufwändige Rettungsaktion. Der 54-jährige Pilot des Tandemgleitschirms war aus noch nicht abschließend geklärter Ursache mit dem Tragseil der Bergbahn kollidiert. Bei diesem Luftunfall verfing sich der Schirm etwa 50 Meter von der Bergstation entfernt im Seil der Bergbahn, die umgehend ihren Betrieb einstellte. Sowohl der in der Schweiz wohnhafte Pilot, als auch sein Fluggast konnten bis 15.00 Uhr von Angehörigen der Bergwacht unter Einsatz des Rettungshubschraubers Christoph 17 geborgen werden. Der Pilot, der bereits seit 17 Jahren die Berechtigung zum Fliegen von Luftsportgeräten besitzt, als auch sein 35-jähriger Fluggast erlitten bei dem Vorfall leichte Verletzungen, die jedoch keine stationäre Aufnahme in einem Krankenhaus erforderten.  

Im Rahmen eines Bergeversuchs des Schirms wurde festgestellt, dass die Seile der Bergbahn verheddert waren, so dass weder der Schirm geborgen werden konnte, noch eine Wiederinbetriebnahme der Bahn möglich war. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich 132 Besucher auf der Bergstation, in der im oberen Drittel der Bahnstrecke befindlichen Gondel befanden sich 19 Personen und der Gondelführer, in der im unteren Drittel befindlichen Gondel saßen 30 Personen fest.
Im Anschluss an die Bergung der beiden Männer wurde damit begonnen die auf der Bergstation befindlichen Personen ins Tal zu fliegen. Zeitgleich wurden Bergretter vom Hubschrauber aus auf der unteren Gondel abgesetzt. Im Anschluss konnten die 30 Insassen dieser Gondel über ein Seil aus einer Höhe von rund 70 m auf den Boden abgeseilt werden. Bei dieser ersten Rettungsaktion waren vier Hubschrauber der Bayerischen Polizei, zwei Rettungshubschrauber Christoph, ein Hubschrauber der Bundespolizei sowie ein SAR der Bundeswehr eingebunden.   
Ein noch in den späten Nachmittagsstunden unternommener Versuch mittels Abseilen aus dem Hubschrauber zu den Personen in der oberen Gondel, die sich rund 100 m über den Grund befand, zu gelangen, musste aufgrund der Windverhältnisse an dieser Stelle erfolglos abgebrochen werden. Zudem wurde erneut geprüft ob die Gondeln wieder in Betrieb genommen werden könnten, was sich als undurchführbar herausstellte.
Da sich die Witterungsverhältnisse bis zum Einbruch der Dunkelheit nicht so weit verbesserten, dass eine Luftrettung möglich wurde, wurde begonnen die 20 Personen in der Gondel im Alter von 4 bis 75 Jahre für die Nacht zu versorgen. Mittels eines Bergretters der mit Hilfe eines Seilfahrgerätes zu der Gondel gelangte, wurden Lebensmittel, Decken und Spielsachen für die Kinder in die Gondel gebracht. Zu den Festsitzenden bestand Funkkontakt. Ein Notarzt verbrachte die ganze Nacht auf dem Stützpfeiler der Bahn, um im Falle einer medizinischen Notlage möglichst schnell zu der Gondel zu gelangen. Trotz der unangenehmen Lage war die Situation in der Gondel insbesondere auch aufgrund des besonnenen Verhalten des Gondelführers entspannt.
Während der Nacht wurde begonnen zwei unterschiedliche Rettungsvarianten vorzubereiten: Zum einen das  Abseilen aus der Gondel, das aufgrund des sehr steilen felsigen Geländes unterhalb der Gondel sich sehr komplex gestaltet hätte,  zum anderen eine Luftrettung mittels Hubschrauber, die nur bei günstigen Witterungsverhältnissen möglich ist.
Während dieser Vorbereitungsphase gelangten zwei weiter Bergretter über das Seilfahrgerät zu der Gondel. Kurz vor 6 Uhr gelangte ein Dritter durch eine Abseilaktion vom Hubschrauber aus auf das Gondeldach. Aufgrund der Witterungslage wurde entschlossen die Passagiere durch eine Luftrettung aus ihrer misslichen Lage zu retten. Um 6 Uhr flog der erste Polizeihubschrauber „Edelweiß 7“ die Gondel an. Mit dem ersten Flug konnten über eine Windenrettung zwei Männer geborgen werden, mit dem zweiten Flug des Polizeihuschraubers „Edelweiß 1“ vier Kinder. Durch diese enge Zusammenarbeit der Luftretter der Bergwacht und der Besatzungen der Polizeihubschrauber konnten in einem Zeitraum von zwei Stunden durch die abwechselnden Flüge der beiden Hubschrauber, die nur durch eine Tankpause unterbrochen waren alle Personen  geborgen und sicher ins Tal gebracht werden. Sämtliche Gondelinsassen hatten die Nacht unverletzt überstanden und wurden unter anderem durch Kriseninterventionsteams des BRK und der Bergwacht im Nachgang betreut.
Bei dieser Bergungsaktion waren folgende Kräfte teilweise ab Beginn im Einsatz: 85 Angehörige der Bergwacht, 2 Notärzte, 68 Kräfte des BRK, 16 Angehörige des THW, 47 Feuerwehrleute sowie 34 Einsatzkräfte der Polizei, darunter 5 Mitglieder der Alpinen Einsatzgruppe. Zusätzlich zu den beiden Polizeihubschraubern leistete ein Hubschrauber der Bundespolizei Unterstützung bei dem Ausfliegen von Einsatzkräften und Technikern die sich noch auf der Bergstation bzw. auf dem Stützpfeiler befanden.
Die Insassen der Gondel stammten aus folgenden Regionen: 3x Landkreis Schwäbisch-Hall, 3x Lkr. Biberach, 1x Neckar-Odenwald-Kreis, 3x Lkr. Recklinghausen, 3x Lkr. Paderborn, 3x Lkr. Augsburg, 1 xLkr. Günzburg, 2x Lkr. Ostallgäu, 1x Lkr. Landsberg am Lech.
Seitens der Polizeiinspektion Füssen wird wegen einem Gefährlichen Eingriff in den Bahnverkehr sowie wegen fahrlässiger Körperverletzung ermittelt. Zum jetzigen Zeitpunkt ist nicht bekannt wann die Bergbahn wieder ihren Betrieb aufnehmen kann, da neben der Bergung des Gleitschirms, dem Entwirren der Seile aufgrund des Vorfall auch eine technische Inspektion erforderlich sein wird.  

 

 

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