Russlandexperte kritisiert Forschungsinstitut "Dialog der Zivilisationen"

Berlin (dts Nachrichtenagentur) – Der Russlandexperte Stefan Meister von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) kritisiert das neue Forschungsinstitut „Dialog der Zivilisationen“. Es soll am Freitag in Berlin öffnen und wurde von einem Vertrauten des russischen Präsidenten Wladimir Putin gegründet: „Wie wir ja schon vom Staatssender RT wissen, ist Russlands Propagandamaschinerie im Ausland darauf ausgerichtet, auf die vermeintlichen Defizite in der westlichen Gesellschaft hinzuweisen“, sagte Meister der „Welt“. „Es bleibt abzuwarten, ob dieses neue Institut eine ähnliche Zielrichtung haben wird oder tatsächlich einen wissenschaftlichen Anspruch hat.“

Auch die Finanzierung hält der Wissenschaftler für wenig transparent: „Es wäre interessant zu wissen, wer tatsächlich Geld in dieses Institut steckt und warum.“ Die Bundestagsabgeordnete Marieluise Beck (Grüne) hat ebenfalls starke Vorbehalte gegen den russischen Thinktank. „Wer von unterschiedlichen Zivilisationen spricht, drückt damit aus, dass er die Universalität der Menschenrechte und auch die in der Europäischen Menschenrechtskonvention gemeinsam formulierten Grundlagen infrage stellt“, sagte sie der „Welt“. „Das passt zu den Fantasien einer Eurasischen Union, die mit westlichen Werten nichts mehr zu tun haben möchte.“ Spiritus rector des Instituts ist Wladimir Jakunin, der langjährige Präsident der russischen Eisenbahn. Zu den Mitgründern zählt der Göttinger Professor Peter W. Schulze, der einst Direktor der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung in Moskau war. Der 73-Jährige verteidigt die Einrichtung: „Dieses Institut soll nicht dazu dienen, Propaganda und Desinformation zu verbreiten. Deshalb ist die Anlage global, international ausgerichtet auf Experten, die einen Namen haben und auch einen Ruf zu verlieren haben.“

Fahne von Russland, über dts Nachrichtenagentur
Foto: Fahne von Russland, über dts Nachrichtenagentur