Rückholung des Atommülls aus der Asse droht zu scheitern

Berlin – Die von der Bundesregierung geplante Bergung von rund 126.000 Fässern mit schwach- und mittelstrahlendem Atommüll aus dem maroden Bergwerk Asse in Niedersachsen droht zu scheitern. Darauf deutet eine vorläufige Analyse der Probebohrungen durch die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) hin, die der „Welt am Sonntag“ (17. Mai 2015) vorliegt. Darin heißt es, dass der für die planmäßige und sichere Bergung nötige „Schacht 5“ nach den bisherigen Untersuchungserkenntnissen womöglich nicht an der vorgesehenen Stelle gebaut werden kann.

Bestätigt sich dieses Zwischenergebnis, steht die Rückholung der Fässer insgesamt in Frage. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) hatte als Betreiber der Schachtanlage Asse 2 mehrfach darauf verwiesen, dass im Wesentlichen nur ein Standort für den Bau eines Bergungsschachtes in Betracht kommt. Andere Bohrplätze scheiden aus, weil der Untergrund durch den jahrzehntelangen Salzbergbau dort zu stark ausgehöhlt ist oder weil der Schacht zu nahe an unsicheren Gesteinsformationen entlang führen würde. Am verbleibenden Standort „Remlingen 15“ wurde seither eine Erkundungsbohrung gemacht, deren Ergebnisse derzeit ausgewertet werden. In der Einschätzung der BGR vom 25. März dieses Jahres heißt es nun, dass das laut den Vorplanungen des BfS „erwartete Hauptsalz der Staßfurt-Folge im gesamten Bohrverlauf nicht angetroffen wurde“. Die Ergebnisse zeigten vielmehr, dass sich „die Salinarstruktur der Asse im zu bewertenden Teufenbereich stark verengt“. Es müsse deshalb davon ausgegangen werden, dass „entgegen der Vorplanungen nicht genügend Salzvolumen (…) für das Abteufen eines Schachtes und der Auffahrung von Infrastrukturräumen zur Verfügung steht“. Das Bundesamt für Strahlenschutz wies diese Schlussfolgerung der BGR allerdings zurück. Bei der Analyse des BGR handele es sich lediglich um „eine Tischvorlage, die den Eindruck eines abschließenden Berichts erweckt“. Unter den an einem Fachgespräch teilnehmenden Wissenschaftlern habe Einigkeit bestanden, „dass die Unterlage in ihren Schlussfolgerungen fachlich nicht fundiert ist und deshalb überarbeitet werden muss.“ Die vom BfS mit der Analyse beauftragte Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe wollte sich auf Nachfrage nicht zu dem Vorwurf äußern. Im ehemaligen Salzbergwerk Asse bei Wolfenbüttel wurden zwischen 1967 und 1978 schwach- und mittelradioaktive Abfälle aus Atomkraftwerken, Forschungseinrichtungen und der kerntechnischen Industrie eingelagert. Weil das Grubengebäude inzwischen in Teilen instabil geworden ist und Wasser einsickert, plant das Bundesamt für Strahlenschutz die Rückholung der rund 126.000 Fässer. Die Bundesregierung hatte 2013 die schnellstmögliche und sichere Bergung der Fässer in einem „Lex Asse“ genannten Bundesgesetz als primäres Ziel definiert.

Über dts Nachrichtenagentur