Roland Berger analysiert Lage der SPD

Berlin (dts Nachrichtenagentur) – Roland Berger, Gründer der gleichnamigen Unternehmensberatung, hat für das Nachrichtenmagazin Focus die Lage der SPD analysiert – und aufgezeigt, wie sie zu sanieren sei. „Die SPD redet die Lage in unserem Land eher schlecht“, sagte Berger dem Nachrichtenmagazin. „Das verfängt eben nicht in einer nationalen Gefühlslage, die nichts von Krisenstimmung hat.“

Ein weiterer Hauptfehler, der zu dem schlechten Wahlergebnis geführt habe, sei vor vier Jahren der erneute Eintritt in eine Große Koalition gewesen. „Der Hauptkonkurrent der SPD, die Union, hat es geschafft, alle Erfolge der Großen Koalition für sich zu verbuchen. Auch den Mindestlohn oder die Rente mit 63, die Andrea Nahles durchgesetzt hat.“ Diesen Fehler habe die Partei nun offenbar korrigiert, sagte Berger, der einst auch Ex-Kanzler Gerhard Schröder beraten hatte. Generell, so Berger, sei „die SPD im Grunde nie ganz in der sozialen Marktwirtschaft angekommen, trotz des Godesberger Programmes, bei dem sie ja von einer sozialistischen, staatsgeprägten Partei umgeschwenkt ist zur sozialen Marktwirtschaft“. Die Partei glaube einfach nicht daran, dass es besser sei, „den Kuchen zu vergrößern, wodurch jeder mehr davon hätte. Stattdessen hält sie die Wirtschaft für ein Nullsummenspiel“. Sie glaube, „der Kuchen wächst nicht, also muss er anders verteilt werden“. Berger rät der SPD zu einem zukunftsorientierten statt zu einem rückwärtsgewandten Kurs, also zu „Innovation, Wirtschafts- und Wohlstandswachstum, digitaler Transformation unserer Wirtschaft ohne Gefahr für die Arbeitsplätze mit nachhaltiger Erwachsenenbildung“ und „Chancengerechtigkeit in der Bildung“ generell. Dabei habe die SPD gute Möglichkeiten, ihre traditionellen Themen wie etwa Steuersenkungen einzuarbeiten. Lobende Worte fand der Unternehmensberater für SPD-Fraktionschefin Andrea Nahles: „Sie ist intelligent genug für bessere Einsichten, hat Charisma, ist eine überzeugende Führungspersönlichkeit und kann Menschen mitreißen. Warum sollte sie nicht in der Lage sein, die Situation zu analysieren und die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen?“. Stattdessen kritisierte er SPD-Vize Ralf Stegner. Berger bezeichnete das Image der SPD als „nicht sonderlich zukunftsorientiert, positiv und lebensfroh. Eben wie sich Ralf Stegner gibt. Da kann Martin Schulz noch so viel Optimismus neben ihm ausstrahlen – Herr Stegner zieht ihn herunter“. Sollte sich die SPD der Zukunft öffnen und die Mitte vereinnahmen, könnte die Partei „2021 auch gegen die Union gewinnen“, glaubt Berger, der auch nicht mit Kritik an der CDU/CSU sparte: Ihr Programm laute schlicht: „Weiter so“ und ihr unausgesprochener Slogan stamme noch von Konrad Adenauer und heiße: „keine Experimente“.

SPD-Zentrale am 24.09.2017, über dts Nachrichtenagentur
Foto: SPD-Zentrale am 24.09.2017, über dts Nachrichtenagentur