Ratingagenturen verlieren mehrere DAX-Konzerne als Kunden

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Frankfurt – Die beiden marktbeherrschenden Ratingagenturen Standard & Poor`s und Moody’s verlieren nach Informationen des „Handelsblatts“ (Mittwochausgabe) mehrere Mandate bei den großen DAX-Konzernen. So hat Continental im Frühjahr die Zusammenarbeit mit Moody’s beendet, wie der Autozulieferer auf Nachfrage bestätigte. Vorangegangen war ein im Ratingmarkt bislang unübliches Ausschreibungsverfahren, mit dem Continental das Preiskartell der beiden großen Bonitätsfirmen brechen wollte.

Wichtigste Aufgabe der Ratingagenturen ist es, die Kreditwürdigkeit von Unternehmen und Staaten zu bewerten. Tatsächlich war das Angebot von Moody’s bei dem Tender so teuer, dass die renommierte US-Agentur ihr Mandat an den deutlich günstigeren Konkurrenten Fitch verlor. „Neben der Qualität war auch der Preis ein wichtiges Kriterium bei der Wahl unserer Anbieter“, sagte Conti-Treasurer Stefan Scholz dem „Handelsblatt“. Den Vertrag mit S&P verlängerte der niedersächsische Konzern zwar. Allerdings stellte Scholz klar, dass er den Preisdruck auf die Agenturen aufrechterhalten will: „Wir können uns gut vorstellen, dasselbe Verfahren wieder einzusetzen, wenn die jetzigen Verträge auslaufen.“ Bereits Ende 2012 hatten die Deutsche Post und der Baustoffkonzern Heidelcement ihre Verträge mit S&P gekündigt. Die Post begründete dies offen mit den aus ihrer Sicht überhöhten Gebühren der Agentur. Ende April beendete zudem der Düngemittelkonzern K+S seine Zusammenarbeit mit Moody’s. Man habe sich die Kosten für die Agentur sparen wollen, sagte ein Sprecher. Nach „Handelsblatt“-Informationen erwägen die Energiekonzerne RWE und Eon, bei der künftigen Vergabe von Ratingaufträgen ein ähnliches Tenderverfahren wie Conti anzuwenden. Sprecher der beiden Unternehmen wollten sich dazu nicht äußern. Auch von S&P, Moody’s und Fitch gab es keinen Kommentar.

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