Polizeipräsident Memel zieht Bilanz vom Wochenende

Polizeipräsidium Schwaben-Süd/West + 12.11.2012 + 12-2667

Beleidigungen, Widerstände und sogar Angriffe mit Messern: Der ungehemmte Konsum von Alkohol erschwert regelmäßig die polizeiliche Arbeit.

Memel pp-schwaben-sued-west new-facts-euAllein am Wochenende, in den Nächten von Freitag, 09.11.2012, auf Samstag, 10.11,2012, und von Samstag auf Sonntag, 11.11.2012, mussten die Beamtinnen und Beamten im Bereich des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West zu über 40 (*) Einsätzen im Zusammenhang mit Alkohol ausrücken. Die Bandbreite reichte dabei von der hilflosen Person, die zur Ausnüchterung in Gewahrsam genommen werden musste (vier Fälle), bis hin zu einem Messerangriff auf die Einsatzkräfte im Zusammenhang mit einem Familienstreit. Im laufenden Jahr summiert sich die Zahl derartiger Einsätze auf weit über 5.500 Fälle (*).
Polizeipräsident Hans-Jürgen Memel: „Die polizeiliche Erfahrung zeigt leider, dass oft selbst „normale“ Bürger bei starker Alkoholisierung die Konfrontation mit der Polizei suchen und ein vernünftiger Dialog kaum mehr möglich ist“.
Dass es sich hierbei nicht nur um eine subjektive Wahrnehmung handelt, sondern sich diese Erfahrung auch durch objektive Zahlen belegen lässt, zeigt die statistische Erhebung zur Gewalt gegen Polizeibeamte. In der entsprechenden Erhebung für das Jahr 2011 für den Schutzbereich Schwaben Süd/West wurden 514 Straftaten zum Nachteil von Polizeibeamten registriert. Damit wurde statistisch gesehen beinahe jeder dritte Beamte im Rahmen seiner Dienstverrichtung Opfer einer Straftat.
Bei diesen Delikten standen über 70% der Tatverdächtigen unter dem Einfluss von Alkohol oder Betäubungsmittel. Besonders hoch ist der Anteil alkoholisierter Tatverdächtiger bei der Körperverletzung mit 82,2% und beim Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte mit 78,2%.


Die Fälle vom Wochenende zeigen auch die Brisanz, welche vermeintlich normale Einsätze in kürzester Zeit entwickeln können. Sowohl bei dem Einsatz in Türkheim anlässlich eines Familienstreits, als auch bei dem Einsatz in Kempten anlässlich eines mit einem Messer bewaffneten Partygastes wurden die Einsatzkräfte so massiv von mit Messern bewaffneten und stark alkoholisierten Personen bedrängt, dass ein gezielter Einsatz der Dienstwaffe im Raum stand.
Polizeipräsident Memel: „Dass diese Einsätze ohne schwerwiegende Folgen bewältigt werden konnten ist in erster Linie ein Verdienst der Besonnenheit und der professionellen Vorgehensweise der Kolleginnen und Kollegen.“
Straftaten, welche unter dem Einfluss von Alkohol begangen werden, sind nicht nur eine Herausforderung der sich die Polizei bei der Einsatzbewältigung stellen muss – vielmehr handelt es sich um ein Problem der gesamten Gesellschaft wie die in der polizeilichen Kriminalitätsstatistik erfasste Gesamtzahl von 4.413 Delikten (16,5% aller Straftaten im Schutzbereich) unter Alkoholeinfluss im Jahr 2011 zeigt. Somit ist derzeit rund jede 6. Straftat unter dem Einfluss von Alkohol erfolgt, während dies 2001 bei weniger als jeder 9. Straftat der Fall war.
Allein bei der Gewaltkriminalität sind die Taten unter Alkoholeinfluss von 353 Fällen im Jahr 2002 auf 464 Fälle im Jahr 2011 gestiegen. Dies stellt einen Anstieg von 31,4% dar, während die Gesamtzahl der Fälle der Gewaltkriminalität lediglich um 10,9% angestiegen ist.
Dass Straftaten unter Alkoholeinfluss nicht nur Partygänger und Nachtschwärmer betreffen oder sich im häuslichen Rahmen abspielen, belegt eine weitere Zahl: 43,3% der ermittelten Tatverdächtigen von Sachbeschädigungen auf Straßen Wegen und Plätzen waren bei der Tatausübung alkoholisiert.
Polizeipräsident Hans-Jürgen Memel: „Sollte sich in unserer Gesellschaft ein verantwortungsvoller Umgang mit der Volksdroge Alkohol durchsetzten, wäre dies der denkbar größte Präventionsbeitrag zur Verhinderung von Straftaten. Ich appelliere an alle Erziehungsberechtigten, Vertreter der Kommunalpolitik sowie Gastronomen und Partyveranstalter ihrer Verantwortung nachzukommen und die ihnen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten zu nutzen, dass dieser Wandel stattfinden kann.“

Foto: Polizeipräsidium Schwaben-Süd/West, Pressestelle



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