Palmer fordert von den Grünen wirtschaftsfreundlichere Politik

Parteitag von Bündnis 90 / Die Grünen, über dts Nachrichtenagentur
Foto: Parteitag von Bündnis 90 / Die Grünen, über dts Nachrichtenagentur

Berlin – Wenige Tage vor ihrem Bundesparteitag verstärkt sich bei den Grünen das Ringen um den zukünftigen Kurs: Boris Palmer, Oberbürgermeister in Tübingen und einer der bekanntesten Realpolitiker, forderte ein Abrücken vom Linkskurs und eine wirtschaftsfreundlichere Politik. „Wir haben uns im letzten Bundestagswahlkampf entschieden, dass wir uns auf den Kern reduzieren wollten. Und das haben wir dann auch geschafft – mit nur noch acht Prozent“, sagte Palmer dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Dienstagausgabe) mit Blick auf das enttäuschende Ergebnis.

Zwischenzeitlich landeten die Grünen 2013 bundesweit in Umfragen bei mehr als 20 Prozent. „Und deshalb diskutieren wir jetzt, ob wir den Versuch wagen sollten, eine stärkere Partei zu werden, die selbstbewusst in der Mitte der Gesellschaft und im Dialog mit der Wirtschaft Mehrheiten sucht.“ Kritik übte Palmer in dem Interview an den Steuerplänen seiner Partei, die maßgeblich die Handschrift von Jürgen Trittin getragen haben. „Wir müssen uns fragen: Was haben wir getan, dass unser Umfrageergebnis 2013 halbiert wurde?“ Gereizt reagierte Palmer auch auf Versuche von Trittin, wieder stärker die Geschicke der Partei zu bestimmen. „Seine Hinweise, dass er häufig mit der Parteivorsitzenden telefoniere und dass die Realos in Baden-Württemberg eine unbedeutende Randgruppe seien, die man mit Taliban vergleichen könne – das war schon ein bisschen befremdlich“, sagte Palmer. Auf die Frage, ob denn die Grünen weniger Trittin und mehr den Realo Winfried Kretschmann, Ministerpräsident in Baden-Württemberg, bräuchten, antwortete Palmer: „Wir brauchen beide.“

Über dts Nachrichtenagentur

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