Ökonom: EZB sollte als Käufer im ABS-Markt agieren

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Frankfurt/Main – Die Europäische Zentralbank (EZB) sollte und wird als Käufer in dem in Verruf geratenen Markt für Verbriefungen, sogenannte Asset Backed Securities (ABS), agieren: Diese Ansicht vertritt Princeton-Ökonom Markus Brunnermeier, der zu den weltweit angesehensten Beratern der Notenbanken zählt, im Interview mit dem „Handelsblatt“ (Montagsausgabe). „Nach der Krise wurden alle ABS-Papiere über einen Kamm geschoren und pauschal verteufelt. Es gibt aber gute und schlechte Verbriefungen“, sagte er.

Zum Beispiel würde heute keiner den deutschen Pfandbrief in Frage stellen. Bevor die Notenbank als Käufer auftreten könne, müsse aber erst ein Markt mit „adäquaten Strukturen“ aufgebaut werden. ABS-Papieren haftet seit der Finanzkrise der Ruf als sogenannte Giftpapiere an, berichtet die Zeitung. Bis heute habe sich der Markt nicht davon erholt. Trotzdem arbeitet die EZB der Zeitung zufolge hinter den Kulissen intensiv an einer Wiederbelebung dieses Marktes. Zu Recht, meint Finanzmarktexperte Brunnermeier: Das Problem der EZB sei, dass ihre derzeitigen geldpolitischen Maßnahmen nur Teile der Wirtschaft erreichten. „Die Zinsen von Staats-und Unternehmensanleihen sind stark gesunken, das hilft Staaten und Großunternehmen“, sagte der Princeton-Ökonom. Kleinunternehmen und Mittelständler aber hätten in den Peripherieländern Schwierigkeiten, Kredite zu bekommen. Denn anders als Großunternehmen könnten sie sich nicht am Kapitalmarkt mit Geld versorgen, sondern seien auf Banken angewiesen. „Solange Banken aber nicht hinreichend kapitalisiert sind, kaufen sie lieber einheimische Staatspapiere anstatt nötige Kredite zu vergeben“, so Brunnermeier. „Der ABS-Markt kann ein zweiter Finanzierungskanal für Mittelständler werden, der weniger von den Banken abhängt“, meint er.

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