Ökonom: Deutschland sollte sich in gesundem Ausmaß verschulden

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Berlin – Der neue Co-Chef des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI), Henning Vöpel, ist der Ansicht, dass die Bundesregierung ihr Ziel eines ausgeglichenen Haushalts vorerst aufgeben sollte: „Deutschland sollte sich in einem gesunden Ausmaß verschulden, um die wachstumswirksamen Investitionen zu erhöhen“, sagte Vöpel in einem Interview der „Welt am Sonntag“ (Erscheinungstag: 5. Oktober). Haushaltskonsolidierung sei zwar wichtig, um künftigen Generationen finanziellen Spielraum offenzuhalten, sagte Vöpel. „Was aber bei der Debatte immer vergessen wird: Konsolidieren allein ist keine Entlastung für die kommende Generation“, sagte der 41-Jährige.

„Wir müssen unseren Kindern ein hohes Sach- und Humankapitalvermögen und somit Produktionsmöglichkeiten hinterlassen. Gerade in Zeiten sehr niedriger Zinsen sollte Deutschland seinen finanzpolitischen Spielraum nutzen und mehr investieren.“ Von höheren staatlichen Ausgaben würde auch Deutschlands Nachbar Frankreich profitieren, sagte der Ökonom. Das Land steckt in einer tiefen Wirtschaftskrise. Entscheidend bei Frankreich werde aber sein, ob das Land wettbewerbsfähiger werde. „Verlieren wir Frankreich an den Süden Europas, wird es schwierig, die Euro-Zone dauerhaft zu erhalten“, warnte Vöpel. Kritik übte der Ökonom auch an der eigenen Zunft. Die Wirtschaftswissenschaft müsse „mehr Demut“ zeigen und stärker auf die eigene methodische Beschränktheit hinweisen. Außerdem müssten Erkenntnisse aus neuen Theoriezweigen mit denen aus der Finanzkrise zu einer „modernen Ordnungspolitik“ zusammengeführt werden.

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