Oberstdorf – Kritik zum Einsatz der Feuerwehreinsatzleitung beim Hotelbrand

Lkrs. Oberallgäu/Oberstdorf + 21.01.2014 + 14-0116

15-01-2014 oberallgaeu oberstdorf grossbrand hotel traube feuerwehr benli new-facts-eu20140115 0231

Heftig wird derzeit der Einsatz der Feuerwehr beim Hotelbrand in Oberstdorf vom 15.01.2014 diskutiert. Vor allem in den Online-Diskussion-Foren treffen Einsatzkräfte auf Bürger, die eine andere Sichtweise der Dinge haben. Die geführten Diskussionen sind sehr erhitzt. Die Kreisbrandinspektion Oberallgäu spricht von einem einwandfrei abgelaufenem Einsatz. Der zuständige Kreisbrandinspektor Joachim Freudig hat den Einsatzablauf nochmals überprüft, an Hand Einsatzdokumentation und dem vorliegendem Foto/Videomaterial: „Das Ergebnis: An der Kritik ist nichts dran. Der Einsatz lief einwandfrei.“

Selten verlaufen Einsätze „einwandfrei“, es gibt immer Punkte die man besser machen hätte können. Das Feuerwehrwesen in Deutschland basiert zum großen Teil auf dem ehrenamtlichen Arrangement von Frauen und Männern, die ihre Freizeit in den Dienste der Bevölkerung stellen. Sie wenden viel Zeit für Aus- und Weiterbildung auf und stehen 24-Stunden am Tag für den Einsatz ihrer Feuerwehr bereit. Das hier Fehler passieren, bzw. nicht immer alles so professionell Ablaufen kann wie bei Berufsfeuerwehren, die Tag ein Tag aus nichts anderes machen, deren Beruf es ist, Feuer zu löschen und zu dem über eine ganz andere Ausrüstung verfügen, dürfte außer Diskussion stehen.

Gerade bei solchen Bränden mitten in einer Stadt, dichte Bebauung und das Brandobjekt noch mit einem großen Holzanteil, sind die Einsatzkräfte massiv gefordert, da der Brand sich schnell ausdehnt und zahlreiche Einsatzmaßnahmen parallel verlaufen müssen. Jeder Feuerwehreinsatz hat eine „Chaosphase“. Einsatzkräfte und -fahrzeuge müssen koordniert werden, Aufgaben zugeteilt werden, es kommen Rückmeldungen von Gruppenführern, all dies muss in eine Lage gefasst werden und immer wieder neu bewertet werden. Da wirkt so mancher Feuerwehreinsatz anfangs etwas unkontrolliert. Auf diesen Umstand dürften zahlreiche Kritikpunkte zurückgeführt werden.

In der Diskussion stehen zwei Punkte, die für Unmut gesorgt haben. Zum einen sind in der Anfangsphase der Löscharbeiten „Passanten“ zu sehen, die am Strahlrohr stehen und zu löschen versuchen. Hier sprechen die einen von einer Gefährdung, die man nicht verantworten kann und die anderen sagen, das waren ehemalige Feuerwehrleute in Zivilkleidung. So oder so, es gibt Menschen, die sich hinstellen und sagen was kann ich tun, kann ich euch helfen. Man spricht auch von Zivilcourage – glücklicherweise wurde niemand verletzt, ob natürlich schon eine Gefährdung besteht, wenn man sich an Löscharbeiten beteiligt.

Der andere Punkt sind wohl die Bilder die zeitgleich bereits in der Anfangsphase auf der Homepage der Feuerwehr Oberstdorf veröffentlicht worden sind. Diese wurden auch an die Presse weitergegeben. Hier dürfte wohl die Kritik angebracht sein. Es ist nicht primäre Aufgabe der Feuerwehr in der Erstphase eines Einsatzes bereits Bilder auf die Homepage zu bringen, da ist später Zeit, im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit. Auch dies Weitergabe der Bilder an die Medien birgt rechtliche Gefahren für die Feuerwehr. Hier gibt es ganz klare Hinweise des Landesfeuerwehrverbandes Bayern, der vor so einem Vorgehen auch warnt.

Man findet auch Anmerkungen zur Löschwasserversorgung der Brandstelle in der Anfangsphase. Die Wasserversorgung läuft in einem Ringsystem. Die Rohre sind ständig gefüllt und die Leitungen stehen unter Druck. Der Druck ist auf eine durchschnittliche Wasserentnahme aus dem System ausgerichtet. Bei einem Feuerwehreinsatz wird plötzlich an zahlreichen Punkten der Ringleitung Wasser entnommen, was zu einem Abfall des Druckes in dem Leitungssystem führt. Hier muss manuell durch den Betreiber dann der Druck erhöht werden. Hier kann es dann schon passieren, dass in den ersten zehn Minuten der Brandbekämpfung nicht immer der nötige Wasserdruck zur Verfügung steht, den die Einsatzkräfte für ihre Arbeit benötigen. Für den Bürger sieht das natürlich unprofessionell aus, ist aber einfach der Physik geschuldet.

Abschließend muss man deutlich sagen, dass die Arbeit der ehrenamtlichen Feuerwehrmänner, Sanitäter und Betreuungskräften gut war. Sie haben ihr Möglichstes getan, um Schaden von Personen und anderen Gebäuden fernzuhalten. Dennoch macht es immer Sinn einen Einsatz kritisch aufzuarbeiten, Alarm- und Einsatzpläne zu überprüfen und gegebenenfalls zu ergänzen.

 

Bericht zu dem Brandgeschehen 15.01.2014

Bericht zum Schaden und Arbeit der Brandermittler vom 16.01.2014

 

 

 

 

Anzeige