Nick Hornby liest nicht gerne auf E-Readern

E-Book Reader, über dts Nachrichtenagentur
Foto: E-Book Reader, über dts Nachrichtenagentur

London – Der britische Bestsellerautor Nick Hornby liest nicht gerne auf E-Readern. „An die E-Reader habe ich mich nie gewöhnen können, ich komme damit nicht klar“, sagte er der „Welt am Sonntag“. „Mir fehlt der Lesegenuss. Ich weiß bei den E-Readern nie, wo genau ich in einem Buch bin, ob ich nun auf der linken oder rechten Seite lese.“

Seit der Verdrängung der reinen E-Reader durch Tablets habe es Literatur im Digitalen noch schwerer. „Auf Tablets kann man ja auch Games spielen und Filme gucken. Das ist verführerischer, als ein Buch zu lesen.“ Diese Entwicklung sei nicht gut für die Literatur. „Man sieht das auch an der nachlassenden Konzentration der Leser. Das lässt sich vor allem bei Kindern beobachten“, so Hornby. „Man muss sie regelrecht motivieren, mal ein längeres Buch zu lesen. Da kommen schwere Zeiten auf den Roman zu.“ Er sehe das auch an seinen eigenen Kindern, die klug und im Netz belesen seien, aber keine langen Bücher mehr lesen wollten. „Meine Kinder sehen es nicht ein, warum sie ein dickes Buch lesen sollten, von dem sie wissen: Ich brauche Tage, vielleicht sogar Wochen, bis ich damit fertig bin.“ Auch in der Musik sieht der 57-Jährige die Auswirkungen der Digitalisierung inzwischen skeptisch. Nachdem er jahrelang von seinem exzessiven Konsum von Musik im Internet geschwärmt hatte, kauft er sich jetzt wieder Vinyl-Platten. „Mit kam es so vor, dass Musik einfach zu leicht erhältlich ist. Musik ist heute ein Wegwerfprodukt“, sagte Hornby der „Welt am Sonntag“. „Wenn ich mir die Interpreten-Listen auf meinem iPod oder Laptop ansehe, weiß ich von der Hälfte dieser Namen nicht mehr, wer das ist, warum ich sie überhaupt heruntergeladen habe. Und wenn ich sie mir dann doch mal anhöre, muss ich oft feststellen: Ich kann das Zeug gar nicht ausstehen.“ Musik sei ein Geschmacks-Statement. „Wenn in Zeiten des grenzenlosen Downloadings jeder jederzeit alle Arten von Musik besitzen kann – wer bist du dann?“ Hornby, dessen Welt-Karriere 1992 mit dem Fußball-Roman „Fever Pitch“ begann, sprach auch über seine Bewunderung für die deutsche Nationalmannschaft. „Ich war sehr, sehr happy, dass Deutschland Weltmeister wurde. Was vor allem daran lag, dass mit Mesut Özil, Lukas Podolski und Per Mertesacker gleich drei Spieler meines Lieblingsclubs FC Arsenal den Titel holten“, sagte Hornby der „Welt am Sonntag“. „Viele Engländer haben sich auch deshalb gewünscht, dass Deutschland gewinnt, weil sie genau wussten, dass unser Team das niemals schaffen wird – nicht in einer Million Jahren.“

Über dts Nachrichtenagentur

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