Mittelstandspräsident lehnt härtere Sanktionen gegen Russland ab

Turm des Kreml in Moskau mit dem Moskauer Bankenviertel im Hintergrund, über dts Nachrichtenagentur
Foto: Turm des Kreml in Moskau mit dem Moskauer Bankenviertel im Hintergrund, über dts Nachrichtenagentur

Berlin – Anders als der Vorsitzende des Ost-Ausschusses der deutschen Wirtschaft, Eckhard Cordes, lehnt der Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft, Mario Ohoven, schärfere Sanktionen gegen Russland ab. Die Menschenrechte seien zwar das Wichtigste bei allen Verhandlungen mit Russland, sagte Ohoven „Handelsblatt-Online“. „Ich warne allerdings vor einer Spirale der Drohungen“, fügte der Mittelstandspräsident hinzu.

„Wer Sanktionen gegen Russland fordert, setzt nicht zuletzt 300.000 Arbeitsplätze in Deutschland aufs Spiel. Der Gewinner bei einem deutsch-russischen Schlagabtausch hieße China“, warnte Ohoven. Russland wolle seine Geschäftsbeziehungen zu Peking in Zukunft noch stärker ausbauen. Die in jüngster Zeit unterzeichneten Lieferverträge von Rosneft, Gazprom und Novatec mit chinesischen Großkunden seien erst der Anfang. „Am meisten ärgert mich die Heuchelei“, so Ohoven. Andere europäische Länder forderten eine härtere Gangart gegen Moskau, hielten aber gleichzeitig an Rüstungsgeschäften mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin fest. Ohoven gab zudem zu bedenken, dass ein Wirtschaftsboykott gegen Moskau zwei Verlierer hätte: den deutschen Mittelstand und die russische Bevölkerung. Die Mehrzahl der 6.300 deutschen Unternehmen auf dem russischen Markt seien Klein- und Mittelbetriebe. „Ein Teil von ihnen hat schon jetzt seine Investitionen reduziert und fordert aus Angst vor Enteignung weniger Material aus Deutschland an“, sagte der Mittelstandspräsident. Ein Embargo würde in Deutschland vor allem auf Klein- und Mittelbetriebe in den Branchen Maschinen- und Fahrzeugbau, Elektronische Erzeugnisse, Pharma und Nahrungsmittel zurückschlagen, die im bilateralen Handel dominieren. „Wir reden hier über Ausfuhren mit einem Volumen von 36,1 Milliarden Euro in 2013“, betonte Ohoven. „Die Menschen in Russland wiederum würden unter Handelsbeschränkungen leiden, weil dies die Versorgung mit Medikamenten und Lebensmitteln gefährden würde.“

Über dts Nachrichtenagentur

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