Mittelstands-Präsident für umfassendes Reformprogramm von Merkel

Angela Merkel, über dts Nachrichtenagentur
Foto: Angela Merkel, über dts Nachrichtenagentur

Berlin – Der Präsident des Bundesverbandes Mittelständische Wirtschaft (BVMW), Mario Ohoven, hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) aufgefordert, umfassende Reformen auf den Weg zu bringen, um Wachstum und Beschäftigung in Deutschland zu fördern. „Frau Merkel sollte die Chance nutzen, nicht nur als Rekordkanzlerin, sondern auch als Reformkanzlerin in die Geschichtsbücher einzugehen“, sagte Ohoven „Handelsblatt-Online“. „Ein Reformprogramm der Kanzlerin ist überfällig.“

Nicht ohne Grund hätten sich die aktuellen Konjunkturdaten eingetrübt. „Rentenpaket und Mindestlohn bürden den Unternehmen zusätzliche Lasten in Milliardenhöhe auf“, sagte Ohoven weiter. Und das, obwohl laut OECD der Anteil von Steuern und Abgaben an den Arbeitskosten in Deutschland heute schon fast 50 Prozent ausmachten. In den USA betrage der Anteil nur etwa 30 Prozent. „Das vorrangige Ziel eines Reformprogramms muss daher eine Senkung der Steuer- und Abgabenlast für Betriebe und Bürger sein.“ Als wesentliche Elemente einer Steuerreform nannte Ohoven den Abbau der kalten Progression, die Steuerfreistellung aller im Betrieb verbleibenden Gewinne, eine steuerliche Forschungsförderung für innovative Mittelständler und die Abschaffung der bürokratischen Erbschaftsteuer zur Sicherung der Unternehmensnachfolge. „Dank der für die kommenden Jahre erwarteten Rekordsteuereinnahmen sind steuerliche Entlastungen möglich, ohne das Ziel eines ausgeglichenen Haushalts zu gefährden“, sagte der Mittelstandspräsident. Als zweiten zentralen Punkt nannte Ohoven eine Reform des Bildungssystems. „Der Mittelstand leidet akut unter dem Fachkräftemangel“, klagte er. Gleichzeitig machten immer weniger Jugendliche eine Ausbildung: Auf 2,51 Millionen Studierende kämen 1,98 Millionen Auszubildende. „Natürlich braucht der Mittelstand auch Akademiker, aber viel mehr noch gut ausgebildete Facharbeiter“, konstatierte Ohoven. Das Problem sei zum Teil hausgemacht, denn seit der Bologna-Reform gelte in Deutschland ein Hochschulstudium als das Maß aller Dinge. „Deshalb muss unser weltweit kopiertes Erfolgsmodell der dualen Ausbildung wieder attraktiver werden, beispielsweise durch eine Modularisierung der Ausbildung und bessere Berufsorientierung“, sagte Ohoven.

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