Missverständnis beim Notruf – verwirrende Kilometertafeln an der Autobahn – Einsatzkräfte suchen an der falschen Stelle nach der Unglücksstelle

„Schwerer Lkw-Unfall auf der BAB A7 bei Kilometer 860 Richtung Norden !“ Wenn solch eine Meldung auf den Funkempfängern der Feuerwehrleute oder beim Rettungsdienst ertönt, dann wissen alle: Jetzt ist „höchste Eile geboten“, wie es in der Straßenverkehrsordnung heißt. Denn nun sind draußen auf der Autobahn vermutlich Menschenleben in Gefahr.

Doch am Freitag vergangener Woche erlebten die Feuerwehren aus Altenstadt, Illertissen und Weißenhorn, wie ein kleines Missverständnis große Folgen hätte haben können. „Hätte“, weil der Unfall glücklicherweise nicht so schwer war, wie es ursprünglich befürchtet wurde, denn „nur“ ein Kleintransporter war von der Fahrbahn abgekommen und die beiden Insassen hatten sich mit leichten Verletzungen selbst befreien können. Doch bis das klar war, vergingen wertvolle Minuten mit der Suche nach der Unfallstelle.

„Kilometer 860“ liegt zwischen Illertissen und Vöhringen auf Höhe der Unterführung der Kreisstraße NU15 zwischen der Bellenberger Ziegelei und Tiefenbach. Aber sowohl dort als auch auf der gesamten Strecke zwischen den Ausfahrten Altenstadt und Vöhringen war kein Unfall zu finden. So wurde sicherheitshalber auch die Feuerwehr Erolzheim alarmiert, und diese entsandte von der Einfahrt Dettingen aus je ein Fahrzeug in Richtung Altenstadt und eines in Richtung Berkheim. Und diese wurden schließlich fündig: Der Unfall hatte sich 600 Meter südlich der Ausfahrt Dettingen in Richtung Norden ereignet.

Foto: wis

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Die Erklärung für das Missverständnis: Genau an der Stelle, wo der verunglückte Kleintransporter im Graben lag, stand eine weiße Tafel mit der Nummer 860, sodass der Autofahrer, der den Notruf abgesetzt hatte, auf die Frage der Leitstelle nach dem Unfallort diese Zahl als Kilometerangabe nannte. Bei der weißen Tafel handelt es sich allerdings um eine „Stationstafel“, die einen Arbeitsabschnitt für die Autobahnmeisterei anzeigt. Mit den Kilometerangaben hat das nichts zu tun: Die Kilometer stehen alle 500 Meter auf blauen Tafeln neben oder auf der Leitplanke. „Abschnitt“ 860 befindet sich aber nicht bei „Kilometer“ 860, sondern etwa auf Höhe von Kilometer 878, also gut 18 Kilometer weiter südlich.

Foto: wis

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Alle Dienststellen und Einsatzkräfte, die mit Unfällen auf der Autobahn zu tun haben, bitten deshalb, beim Notruf nicht die weißen „Abschnitte“, sondern die blau markierten Kilometerangaben zu nennen. Reiner Wolf, Leiter der „Integrierten Leitstelle Donau-Iller“ in Krumbach, bei der die 112-Notrufe aus unserer Region ankommen, und Pressesprecher Christian Eckel vom Polizeipräsidium Schwaben Süd/West in Kempten, wo die Notrufe mit der Nummer 110 auflaufen, fänden es am einfachsten, wenn bei Notrufen von der Autobahn möglichst die zuletzt passierte Ausfahrt – im Fachjargon „Anschlussstelle“ – und vor allem die Fahrtrichtung angegeben würde, um Missverständnisse zu vermeiden. Meldungen eines großen Automobilclubs, nach denen die blauen Kilometerangaben zugunsten der weißen Stationstafeln abgeschafft würden, sind nach Auskunft der Autobahndirektion Südbayern nicht richtig: Nur auf den Bundes-, Staats- und Kreisstraßen wird es in absehbarer Zeit keine Kilometer- sondern nur noch Stationstafeln geben, aber hier genügt es ja bei Unfallmeldungen, die Lage zwischen zwei Ortschaften zu nennen.

 

 


 

Info:

Die Kilometerangaben auf der Autobahn A 7 im südlichen Landkreis Neu-Ulm sind einfach zu merken: Die Anschlussstelle (AS) Illertissen befindet sich bei km 864; „Bergauf“, also in Richtung Süden, steigen auch die Kilometerzahlen, und „bergab“ in Richtung Norden fallen diese. Die AS Altenstadt liegt etwa bei km 872,5 und die AS Vöhringen bei 856,5.