Mindelheim – Schüler als Lebensretter ausgebildet – Notärzte und BRK zeigen wie es geht

Notärzte der Kreisklinik Mindelheimund das Bayerische Rote Kreuz lehren die Basismaßnahmen der Herz-Lungenwiederbelebung

Foto: Kreiskliniken Unterallgäu

Foto: Kreiskliniken Unterallgäu

PrüfenRufenDrücken“ – wiederholen die Schülerinnen im Chor.

Bereits zum dritten Mal übernehmen Anästhesisten und Notärzte der Kreisklinik Mindelheim und die Mitarbeiter des Bayerischen Roten Kreuzes die Unterrichtsregie an der Maria-Ward-Realschule in Mindelheim. Gemeinsam bilden sie die Schülerinnen der 6., 7. und 8. Klasse in den Basismaßnahmen der Herz-Lungenwiederbelebung aus.

Einige Schülerinnen durchlaufen den Unterricht schon zum zweiten bzw. dritten Mal. „Die Wiederholung und das regelmäßige Üben sind sehr wichtig“, weiß Jürgen Auerhammer, Ärztlicher Leiter des Notfallzentrums an der Kreisklinik Mindelheim. In der 6. Klasse lernen die Schülerinnen die Herzdruckmassage, in der 7. und 8. Klasse kommt noch die Anwendung eines automatischen externen Defibrillators (AED) zum Unterrichtsinhalt dazu.

Das Pilotprojekt an der Maria-Ward-Realschule in Mindelheim, mit Unterrichtseinheiten zum Thema „Reanimation“, findet sowohl bei den Lehrern als auch den Schülerinnen großen Anklang. Die Mädchen nehmen mit großem Interesse und Freude am Unterricht teil. Die einfachen Schritte der Laienreanimation haben sie daher schnell gelernt:

  1. Prüfen: Findet man eine leblose und reaktionslose Person überprüft man das Bewusstsein und die Atmung der Person, idealerweise mit einem kräftigen Reiz, wie dem Überstrecken des Kopfes („Esmarch“- Handgriff).

  2. Rufen: Über die 112 professionelle Hilfe rufen.

  3. Drücken: Start der Wiederbelebung mit Herzdruckmassage.

Beim Üben an den Reanimationspuppen lernen die Schülerinnen, dass für die Wiederbelebung ein hohes Tempo notwendig ist, denn der Brustkorb sollte ungefähr 100mal pro Minute eingedrückt werden. Mithilfe von Songs wie „Wake me up“ von Avicii wird das richtige Tempo eingeübt. An den Reanimationspuppen drücken die Schülerinnen mit den

Schultern direkt über dem Brustkorb und mit fest durchgestreckten Armen den Brustkorb des Patienten die notwendigen 5 bis 6 cm ein. „Das ist ganz schön anstrengend“, erzählen die Schülerinnen.

In Deutschland ist die Bereitschaft zur Laienreanimation immer noch unbefriedigend, obwohl sich die Zahl der Überlebenden nach einem Herz-Kreislaufstillstand durch Laienreanimation verdoppeln bis verdreifachen ließe. Der Berufsverband Deutscher Anästhesisten und die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin empfehlen daher an weiterführenden Schulen die Integration von Unterrichtseinheiten zum Thema „Reanimation“ in den Lehrplan. Denn Studien belegen, dass in den Ländern Europas mit hoher Laien-Reanimationsquote das Vermitteln der einfachen Maßnahmen der Basis-Wiederbelebung bereits früh im schulischen Lehrplan stattfindet.

Daher liegt das Vorgehen, zur Steigerung eines größeren Bewusstseins und einer höherer Bereitschaft zur Laienreanimation, auf der Hand: „Schüler schulen, um Leben zu retten“.