Metallindustrie sieht durch Mindestlohn Praktika in Gefahr

Berlin – Durch den Mindestlohn sind nach Einschätzung von Metall-Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger die Praktikumsplätze in den Betrieben in Gefahr. „Für viele jüngere Leute oder für Langzeitarbeitslose kann der Einstieg in die Arbeitswelt verbaut werden“, sagte Dulger der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ (Freitagausgabe). „Viele Unternehmen werden künftig keine Praktika für Hochschulabsolventen mehr anbieten, wenn bei einem kurzen Aufenthalt im Betrieb der Mindestlohn gezahlt werden soll.“

Der Mindestlohn in Höhe von 8,50 Euro pro Stunde gefährde auch Förderprogramme, mit denen die Branche seit Jahren junge Leute an den Beruf heranführt, sagte Dulger. „Ich denke an 19- oder 20-Jährige, die schon mehrmals ihre Lehre abgebrochen haben und eine neue Chance bekommen sollen“, fügte er hinzu. „Unter diesen Umständen müssten die Unternehmen ihre Programme einstellen. Die Chancen für Spätstarter würden wegfallen.“ Dulger mahnte deshalb Korrekturen durch die Politik an. „Hier brauchen wir bessere Lösungen im Gesetz.“ „Ganz wichtig ist, dass wir auch beim Thema Arbeitszeitkonten einen Weg finden, der dem Alltag in den Betrieben Rechnung trägt“, erklärte Dulger. Bislang sei vorgesehen, dass die Arbeitszeitkonten „alle zwölf Monate glattgezogen“ werden sollen. „Damit würden die Betriebe ein Instrument verlieren, das viele Arbeitsplätze in der Finanzkrise gerettet hat“, kritisierte der Metall-Arbeitgeberpräsident. Arbeitszeitkonten geben den Unternehmen auch in guten Zeiten Flexibilität, etwa bei Großaufträgen.

Über dts Nachrichtenagentur

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