Merk: „16 tote Babys können uns nicht kaltlassen!“

Justizministerium Bayern | 04.01.2012 | 12-0029

Bayerns Justizministerin Dr. Beate Merk setzt sich angesichts der heute veröffentlichten Zahlen tot aufgefundener Babys erneut für eine gesetzliche Regelung der vertraulichen und der anonymen Geburt ein. „50% mehr ausgesetzte und 16 tote Babys allein im vergangenen Jahr laut Terre des Hommes können uns nicht kalt lassen“, so Merk. „Wir müssen Frauen in Notlagen die Möglichkeit geben, in der beschützenden Umgebung eines Krankenhauses sicher ohne Angst gebären zu können.“

Kern eines solchen Gesetzes soll nach Auffassung von Ministerin Merk ein klar definiertes Stufenmodell sein. Eine gesetzliche Regelung zur vertraulichen Geburt soll gewährleisten, dass die Frauen ihre Identität nicht sofort preisgeben müssen. Die persönlichen Daten werden zwar erfasst, bleiben jedoch bis zur Vollendung des 16. Lebensjahres des Kindes unter Verschluss. Erst danach soll es zu einer Offenbarung der Daten kommen können. Als ultima ratio soll auch eine anonyme Geburt unter völliger Geheimhaltung der persönlichen Daten möglich sein. Weder anonyme noch vertrauliche Geburt sollen nach den Vorstellungen Merks eine Pflichtberatung als Voraussetzung haben. „Die Frau darf nicht zu einem Gespräch gezwungen werden. Ich setze stattdessen auf die Verpflichtung der Klinik, eine Beratungsstelle zu informieren, die der Gebärenden ein Hilfsangebot anbieten muss. Die Beratung soll Hilfe und nicht Zwang sein. Alles andere wäre kontraproduktiv. Frauen, die sich in einer solchen extremen Situation befinden, brauchen Unterstützung, keine Bevormundung.“

Merk: „Natürlich wäre es ideal, könnten wir auf eine solche Regelung verzichten. Aber leider meint es das Schicksal nicht mit allen Menschen gleichermaßen gut. Das Wohl von Mutter und Kind fordert eine gesetzliche Lösung, die das Bestmögliche für beide im Auge haben muss.“

Die Organisation Terre des Hommes hatte berichtet, dass im vergangenen Jahr in Deutschland 16 tote Babys gefunden wurden. Neun Kinder seien in Innenstädten, an Parkplätzen oder vor Kliniken ausgesetzt worden. Auch in Städten, wo Babyklappen existierten, seien Säuglinge nach der Geburt ausgesetzt oder getötet worden.

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