Memminger Bürgerwehr – sind wir soweit!? – Wer steckt dahinter?

Friedensbewegung Bürgerwehr

Am Mittwochabend hat die Redaktion einen Beitrag über die neue Facebook-Gruppe „Bürgerwehr Memmingen“ veröffentlicht. Darin wurde das Thema sehr kritisch betrachtet. Grund hierfür war nicht zuletzt, dass die Gruppe kein Gesicht hatte. Es gab nur einen anonymen „Admin“. Wir haben uns dann noch in der Nacht und am darauffolgenden Tag auf die Spurensuche gemacht. Wer ist der Initiator der gefährlich klingenden Gruppe „Bürgerwehr Memmingen“. Am Donnerstagvormittag hatten wir dann Kontakt zu ihm über Facebook gefunden.

Es ist N. Kellner, ein 19-jähriger junger Mann, der in der Musikszene tätig ist. Er kommt aus Memmingen und kennt nach seiner Aussage „die gefährlichen Ecken von Memmingen“. Wir haben ihm einige Fragen über Facebook zukommen lassen, die er uns am Nachmittag beantwortet hat.

N.K. stellt klar, dass es sich bei der Vereinigung um keine politische Organisation handelt. Eine rechte Gesinnung wird vom Verantwortlichen verneint. Jeder der in die Bürgerwehr eintreten möchte kann dies tun, egal welche Hautfarbe oder Religion er hat. Von jeglicher Gewalt distanziert sich N.K.

 

Redaktion: Wie sind Sie auf die Idee gekommen die Bürgerwehr Memmingen ins Leben zu rufen?

N.K.: Ich selber bin viel in Memmingen unterwegs und das nicht immer an den besten Fleckchen, somit weiß ich was hier täglich passiert, was viele andere vielleicht gar nicht mitbekommen. Dann kam mir die Idee, warum sollte man nicht ein paar Leute zusammen trommeln, sich an einen Tisch setzen und nach Lösungsvorschlägen suchen, um dies einzudämmen. So ist diese Seite entstanden.

 

Redaktion: Warum wird die Seite auf Facebook in der Anonymität betrieben?

N.K.: Dem muss ich widersprechen, denn jeder der ernsthaftes Interesse hat wird mich persönlich bei unseren Treffen kennenlernen. Leider gibt es viele Menschen die unbegründeterweise ein Vorurteil gegen uns haben, wie man auch in einigen Kommentaren unter unseren Posts bei Facebook entnehmen kann. Genau vor diesen Leuten muss ich zum eigenem Schutz meine Identität nicht preisgeben, da ich für manche nicht garantieren könnte.

 

Redaktion: Wie soll die Arbeit der Bürgerwehr denn aussehen, wollen Sie mit der Polizei kooperieren?

N.K.: Natürlich kooperieren wir mit der Polizei, immerhin leben wir in einem Rechtsstaat und wir haben keinerlei Befugnis in irgendeiner Art und Weise, wie ein Polizeibeamter zu handeln. Ich habe eine Frage an sie. Stellen sie sich vor, sie sind alleine abends in Memmingen unterwegs, und jemand versucht sie auszurauben. Wären sie dann froh, wenn sie Augenzeugen haben, Leute die im Notfall eingreifen würden und den Täter festhalten bis die Polizei kommt? Ich glaube schon. Wir haben momentan schon so viele Leute, die sich freiwillig gemeldet haben, um dieser Touren zu laufen. Wir kennen auch unsere Problemfleckchen in Memmingen. Großen Respekt von mir an die Leute an dieser Stelle.

Redaktion: Wann soll die Arbeit der Bürgerwehr beginnen?

N.K.: Zur Frage wann die Bürgerwehr starten soll, will ich sagen das jeder der Zivilcourage zeigt eigentlich schon eine Bürgerwehr verkörpert, deshalb wäre es sinnlos ein Einstiegsdatum zu nennen.

 

Redaktion: Warum schließen Sie sich mit Ihrer Gruppe nicht der Memminger Sicherheitswacht an?

N.K.: Zur letzten Frage warum wir uns nicht der Sicherheitswacht anschließen, kann ich nur sagen das beides zu gleich problemlos parallel zu einander laufen kann.

Abschließend möchte ich sagen, betrachtet den Begriff „Bürgerwehr“ doch einmal genauer. Ich definiere das so, dass wenn ein Bürger dem Unrecht getan wurde, sich wehrt also Bürgerwehr. Ich hoffe hiermit konnten einige Missverständnisse aus dem Weg geräumt werden.

Also zusammenfassend wir sind kein gewalttätiger Mobb oder Möchtegern-Sheriffs, nein wir fungieren als Augenzeugen und greifen ein, wenn jemand in Not ist und halten denjenigen fest, bis die Polizei eingetroffen ist. Eine enge Zusammenarbeit mit der Polizei ist deshalb für uns sehr wichtig. Hält sich jemand nicht daran und meint den „Sheriff“ spielen zu müssen, wird er umgehend aus unserer Organisation verwiesen.

Klick hier grossHier haben wir noch einen Link zu einem Musiktitel von N.K. Es lohnt sich hinein zu hören, damit man einen kleinen Eindruck von der Person bekommt. Unter dem you-tube-Channel „nic ner“ finden sich noch weitere Titel (hier)

 


Kommentar von Thomas Pöppel zur Bürgerwehr Memmingen

Für mich war es überraschend, dass sich eine Gruppe bei Facebook gründet, mit einer solchen Bezeichnung – Bürgerwehr Memmingen. Geht es auf unseren Memminger Straßen wirklich so schlimm zu, dass wir diese Bürgerwehr brauchen. Noch erschreckender war, wie schnell die „Likes“ auf Facebook angestiegen sind. Es war ja nicht viel zu lesen über die Absichten und Ziele dieser Gruppe. Die Gruppe hatte kein Gesicht, wer steckt dahinter? – ruckzuck waren am Donnerstagnachmittag 650 „gefällt mir“ auf der Facebook-Seite. Ob die Liker jetzt wirklich so alle hinter einer Bürgerwehr stehen würden, ist fraglich. Ein Teil der „Liker“ hat wohl aus reiner Neugier geklickt, weil der Betreiber ja gepostet hatte, dass er bei Interesse an der Bürgerwehr mit einer Freundschaftsanfrage aufwartet.

Ich glaube dem jungen Mann ist gar nicht bewusst, auf was er sich da eingelassen hat. In einem Telefonat am Donnerstag mit der Pressestelle des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West in Kempten wurde mir mitgeteilt, dass schon Hinweise auf die Gruppe aus der Bevölkerung an die Polizei herangetragen wurden, auch über die Online-Wache des Bayerischen Landeskriminalamtes. Die Kriminalpolizei Memmingen, Abteilung Staatsschutz, hat die Aktivitäten bereits auf dem Schirm. Aber bisher kam es laut Pressesprecher zu keinen Straftaten durch die entsprechenden Posts bei Facebook.

Eine solche Gruppe zu führen und zu steuern, die nur spazieren gehen soll, keine Gewalt ausüben darf, aber doch da sein soll, wenn Hilfe benötigt wird, ist eine Gradwanderung. Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis es zu ersten Problemen kommen wird. Ich halte es nach wie vor für sinnlos eine solche Bürgerwehr einzuführen, wir brauchen sie nicht. Sollten Bürger das Bedürfnis haben für andere da zu sein, in der Stadt Streife zu laufen, dann bitte unter dem Schirm der Sicherheitswacht Bayern. Hier gibt es vorgeschriebene Auswahlkriterien, eine Ausbildung und einen einwandfreien rechtlichen Deckmantel für die Geschichte – und das Ziel dürfte damit auch erreicht werden – die Straßen sicherer zu machen – für den Bürger da sein.