Memmingen – „Kultur“ im Kaminwerk – Polizeieinsatz

Memmingen-Kaminwerk | 19.04.2012 | 12-0867

Auf dem Programm im Kaminwerk Memmingen stand am Donnerstag Abend, 19.04.2012, ein Konzert der Gruppe „KRAWALLBRÜDER“, Veranstalter war das Kulturzentrum Memmingen e.V. Rund 250 Besucher, vorwiegend aus der rechten Szene, wohnten dem Konzert bei. Während des Konzertes kam es wohl zwischen Rechten und Linken zu Provokationen, die sich zu handfesten Auseinandersetzungen entwickelten.

Hier dazu der Polizeibericht des Polizeipräsidiums Schwaben-Süd/West:

polizeiauto-40In negativer Hinsicht haben etliche Besucher eines Konzerts u.a. der Gruppe „Krawallbrüder“ dem Namen der auftretenden Band alle Ehre bereitet.  Bereits kurz nach Beginn des Einlasses am Donnerstagabend befürchten die anwesenden Security Kräfte aufgrund der aggressiven Stimmung und der Zusammensetzung des Publikums Ausschreitungen während der Veranstaltung und informierten vorab die Polizei. Unter den 250 Besuchern befanden sich unter anderem Personen aus dem linken, als auch Personen aus dem rechten Spektrum, sowie Personen aus dem Hooligan Milieu. Das Sicherheitspersonal musste bereits nach kurzer Zeit bei ersten Reibereien zwischen den Besuchern einschreiten. Zu einer ersten Straftat kam es gegen 22.45 Uhr, als ein 21-jähriger Mann aus dem Unterallgäu von einer bisher unbekannten Person Faustschläge ins Gesicht erhielt. Der Mann musste zur medizinischen Versorgung vom Rettungsdienst in ein Krankenhaus gebracht werden. Aufgrund dieses Vorfalls und um weitere Auseinandersetzungen zu verhindern, war die Polizei ab diesem Zeitpunkt mit über 30 Beamten sowie Diensthunden präsent. Insbesondere aufgrund der starken Polizeipräsenz verlief die weitere Veranstaltung ohne Störungen und endete um 23.45 Uhr. Der Alkoholausschank an die zwischenzeitlich überwiegend stark alkoholisierten Besucher wurde in Absprache mit dem Veranstalter ebenfalls eingestellt. Vier Personen beleidigten beim Verlassen der Veranstaltung die eingesetzten Polizeibeamten massiv und drei leisteten anschließend Widerstand bei der Identitätsfeststellung.

Ein 20-jähriger Oberallgäuer versuchte einen Festgenommenen zu befreien. Der 24-jährige Bruder des Oberallgäuers erschien wenig später auf der Wache der Polizeiinspektion Memmingen, beleidigte die Wachbeamtin und urinierte nach Verlassen des Dienstgebäudes gegen das Hoftor. Im Zusammenhang mit dem Konzert wird jetzt gegen diese Personen wegen Straftaten ermittelt. Das Spektrum umfasst Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Beleidigung, Gefangenbefreiung und Körperverletzung.

Im Zusammenhang mit der Körperverletzung bittet die Polizei um sachdienliche Hinweise zur Ermittlung des Täters, dieser wird wie folgt beschrieben: Glatze, schwarzes T-Shirt mit „Voice of Anger“ Aufschrift und roten Hosenträgern. Hinweise nimmt die Polizeiinspektion Memmingen unter der Telefon 08331/100-0 entgegen.


Der Name der Band „Krawallbrüder“ lässt eigentlich schon aufhorchen. Wer sich die Internetpräsenz der Gruppe ansieht, sieht in großen altdeutschen Lettern den Bandname. Auch die Fotogallerien der Homepage lassen Schlüsse auf die Besucher der Konzerte zu. Die Band selber sieht sich nicht rechtsorientiert. Jedoch wird das in zahlreichen Internet-Foren sehr unterschiedlich diskutiert.

Der Kulturverein Memmingen e.V. und die Band „Krawallbrüder“ hatten bereits im Vorfeld bekanntgegeben, dass sie aus jeder verkauften Eintrittskarte 20 Cent an „Laut gegen Nazis“ spenden wollen.

Ein am Freitag Vormittag, 20.04.2012, geführtes Telefonat der Redaktion mit dem Bayerischen Verfassungschutzes hat ergeben, dass die Band „Krawallbrüder“ selbst nicht als rechtsextrem eingestuft wird, jedoch das Fanpotential und Besucher von Konzerten aus der rechten- und hooligan Szene kommen.

Anzeige