Memmingen – Mit Kind und Rollstuhl unterwegs mit der DB AG

Redaktionsanmerkung:

Wir bekommen fast täglich tolle Geschichten auf den Tisch, aber bei dieser stehen einem doch bei einigen Passagen die Tränen in den Augen. Aus diesem Grund veröffentlichen wir die Geschichte auch so komplett – lest sie einfach mal bis zum Schluss, dauert nur ein paar Minuten. … und wenn Ihr was tun wollt, dann schickt doch den Link des Artikels einfach per e-Mail an die Beschwerdestelle der DB AG (msz@deutschebahn.com), vielleicht liest ihn da mal einer.

Memmingen + 28.08.2012 + 12-2067

imagesSchon bei der Planung eines Ferientages habe ich die tollsten Situationen erlebt. Mein Sohn 20 Jahre und behindert, mein Enkel und ich wollten mit zwei befreundeten Müttern und deren 15- bzw. 19-jährigen Kinder mit der Bahn an den Bodensee fahren.

Da der 15 jährige auf den Elektrorollstuhl angewiesen ist, mussten wir ja die Mobilitätsservice-Zentrale (Mob) der DB AG einschalten. Eine Reise über die Bahnstrecke Kempten nach Lindau war nicht möglich, da auf der dortigen Strecke z. Zt. ein Schienenersatzverkehr (Bus) die Fahrgäste befördert.

Die alternative: Wir fahren nach Friedrichshafen, gedacht getan, wieder die 01805996633 der DB angerufen, eine freundliche Stimme sagte den üblichen Vers auf, dann ein Mitarbeiter dem ich mein Anliegen vortrug, ich war aber nicht am richtigen Platz, da ist eine andere Stelle zuständig, er verbindet, wieder die übliche Warteschleife. Ich erzählte mein Anliegen noch einmal von vorne. Die Antwort war für mich nicht zufriedenstellend, da es hieß am Umsteigebahnhof Aulendorf ist keine Mob (Mobilitätsservice) verfügbar. Wir könnten aber über Ulm fahren.

Da hielt ich zuerst Rücksprache mit meinen betroffenen Mamas. Also gut, nehmen wir die längere Fahrzeit in Kauf, wenn das dann klappt. Daraufhin habe ich mich per Mail an die zuständige Mob-Stelle gewandt, da mich die ewigen Warteschleifen nerven. Am nächsten Tag bekam ich dann auch sofort Antwort und eine Bestätigung, dass der Mob in Memmingen, Ulm und Friedrichshafen zu den gewünschten Zeiten bereitsteht. Es kam aber gleichzeitig der Hinweis, warum wir nicht über Aulendorf fahren wollten. Auf meine Rückantwort, dass mir bei meinem Hotline-Anruf gesagt wurde, dass dort kein Mob möglich sei, kam eine Mail zurück, dass das nicht richtig ist. Ich verblieb dann mit der Zentrale so, wenn sie die Änderung vornehmen könnte und die Hilfe des Mob über Aulendorf bestellen kann, möge sie das in die Wege leiten. Daraufhin bekam ich auch von einer Frau S. M. eine schriftliche Bestätigung mit den genauen Fahrplan und Umsteigezeiten zurück.

So konnten wir uns auf eine kürzere Fahrt einstellen und dementsprechend den Aufenthalt am Bodensee planen. Die Freude war groß, als ich meinen Mitreisenden sagte, wir können sogar mit dem Katamaran von Friedrichshafen nach Konstanz fahren, dort haben wir etwas Zeit und können danach wieder mit dem Katamaran zurück nach Friedrichshafen, um von dort aus wieder nach Memmingen zu kommen. Das war die Vorarbeit zum Ausflug.

Dann kam der Donnerstag, 23.08.2012, wir waren wie erwünscht 20 Minuten vor Abfahrt des Zuges am Bahnhof in Memmingen angekommen. Doch, oh Schreck, da funktioniert ja der Aufzug noch immer nicht – seit mindestens sechs Wochen ist dieser außer Betrieb! Wie sollen wir denn auf Bahnsteig 4 kommen? Von einer Mob war auch nichts zu sehen, na, komm, dachte ich wir warten halt noch eine Weile. Die Zeit verstrich, ohne dass sich was tat. Der Junge war schon ganz traurig „darf ich jetzt nicht mit dem Zug fahren“ – Josef sagte ich, wir haben versprochen wir machen mit euch einen Ausflug an den Bodensee und das machen wir auch.

Innerlich kochte ich schon, über die Unzuverlässigkeit! Ging zum Schalter und berichtete da von den Misslichkeiten. Der junge Herr am Schalter war ganz gelassen, in den Aufzug habe der Blitz eingeschlagen, bemühte sich dann die Mob-Zentrale anzurufen, aber mittlerweile war es 8.52 Uhr und der Zug hatte um 9.00 Uhr Abfahrt. Da kam mein Enkel, Oma, jetzt ist der Mann da der helfen soll, also zurück zum Bahnsteig, da stand ein nicht mehr ganz junger Mann. Den Rollstuhl bringe ich aber nicht allein zum Transportieren und hing sich ans Handy. Gott sei Dank kam in diesem Moment ein Bahnmitarbeiter, den schnappte ich gleich und erzählte von unserem Problem. Er meinte, er komme grad aus München um den Fahrstuhl zu reparieren, nahm einen Schlüssel oder ähnliches, und siehe da der Aufzug funktionierte.

Wir anderen schnell die Treppen runter, an Bahnsteig 4 wieder hoch und warteten auf den Aufzug mit dem Rollstuhl mit Josef. Dann ging alles ruckzuck und wir saßen im Zug und der konnte mit neun Minuten Verspätung starten! Alles war gut, die  Kinder freuten sich auf den Bodensee!

Bis Kißlegg, der Zug hielt, ließ die Leute aussteigen und der Zug stand …. Kurze Zeit darauf, „die Weiterfahrt verzögert sich“, na warten wir halt. Ich fragte den Triebwagenfahrer, ob wohl der Anschlusszug in Aulendorf wartet – kann er nicht sagen, weil er nicht weiß wie lang wir noch stehen, seine Antwort. Na das ist ja heiter! Dann die Durchsage, es wird ein Schienenersatzfahrzeug bereitgestellt – und wir?

Wir saßen im Zug, konnten diesen nicht verlassen, in den Bus konnten wir auch nicht, da meinte der Fahrer, er fährt planmäßig nach Memmingen zurück und weiter nach Ulm wir könnten ja sitzen bleiben. Denn die Strecke nach Aulendorf sei durch einen liegen gebliebenen Zug blockiert. So was kann ja mal passieren! Aber warum gerade jetzt wo wir im Zug saßen.

Da war guter Rat teuer! – Zum Glück habe ich ein Handy mit diesem konnte ich den weiteren Plan zusammenstellen. Zuerst rief ich meine Tochter in Kempten bei der Arbeit an und bat sie, im Internet nachzusehen, ob der Zug, in dem wir jetzt saßen, wenigstens in Ulm Anschluss nach Friedrichshafen hat, als sie mir bestätigte das wir um 12.12 Uhr von Ulm nach Friedrichshafen fahren konnten, haben wir uns entschlossen, den Anlauf nochmals zu nehmen und über Memmingen nach Ulm dann nach Friedrichshafen zu fahren. Nun aber brauchten wir an den entsprechenden Bahnhöfen ja wieder Hilfe. Ich wählte also wieder die bekannte Servie-Hotline für Mob 01805996633!

Eine Dame am anderen Ende bedauerte zwar unser Missgeschick sehr, meinte aber, dass sie mir nicht weiterhelfen kann. Das einzige was sie für mich tun kann, sei mir die Telefonnummern der betroffenen Bahnhöfe zu geben. Also, notierte ich diese und rief zuerst in Ulm an, dort war ja ein sehr freundlicher Herr dran, der nahm sich meinem Anliegen an, er versicherte mir dann auch, dass eine Hilfe pünktlich vor Ort sei. Dasselbe wurde mir in Freidrichshafen zugesagt. Als ich das meinen Mitfahrern sagte, waren alle erleichtert, nahmen den Umweg in Kauf, um den Kids noch die versprochene Fahrt an den Bodensee zu ermöglichen.

Also gute Mine – Brotzeit aus dem Rucksack – Bodensee wir kommen und warten was der Tag noch alles bringt!

So fuhren wir wieder zurück nach Memmingen, freuten uns an der Zugfahrt, bis wir kurz vor dem Bahnhof Memmingen durch eine plötzliche Schnellbremsung zum Stehen kamen, der Fahrer erklärte, „aus ihm unerklärlichen Gründen kamen wir zum Halten. Ob denn jemand die Notbremse gezogen hat?“ – Das war aber nicht der Fall. So ging es nach einigen Minuten Warten auf freier Strecke weiter zum Bahnhof Memmingen den wir nun mit Verspätung erreichten, diese Verspätung haben wir auch bis Ulm nicht aufgeholt und so lief unser Zug auf einem „Abstellgleis“ im Bahnhof Ulm ein – und was sehe ich: Keine Mob-Hilfe zum Aussteigen. Ich lief den Bahnsteig entlang, da kommt mir ein schweißgebadeter Bediensteter mit dem Lift entgegen, „er stand auf dem falschen Bahnsteig, er wurde zu spät unterrichtet, dass sich die Einfahrt des Zuges geändert hatte“. Gut, jetzt war er ja da, konnte unseren Josef aus dem Schienenbus holen und zu dem Anschlusszug auf dem anderen Gleis bringen, was für den Helfer ja wieder einen langen Weg bedeutete. Aber er war freundlich und das machte alles Wett.

In Ulm hatten wir dann das Glück, dass der bereitstehende Zug eine integrierte Einstiegshilfe hat, dass das Einsteigen und das spätere Verlassen sehr erleichterte.

Nun saßen aber wir sechs Personen zusammen mit unserem Rollifahrer und acht Fahrrädern von anderen Mitreisenden im Packwagen, vor der Toilette, die glücklicherweise defekt war, auf den nicht sehr komfortablen Notsitzen.  Ein durchkommen mit dem Rollstuhl zu den leeren Sitzabteilen war nicht möglich. Der Gang an dem Toilettenraum vorbei war viel zu schmal.

Aber wir lassen uns deswegen nicht unterkriegen. So kamen wir endlich in Friedrichhafen-Stadt an. Die sehr freundliche Zugbegleiterin war uns beim Aussteigen behilflich und am Bahnsteig wartete schon die bestellte Hilfe. Das war wirklich super!

Da wir den Kids eine Fahrt mit dem Katamaran versprochen hatten, machten wir uns schnurstracks auf zum Anlageplatz und konnten die Fahrt nach Konstanz antreten. Doch durch die Panne bei der Bahn – Ankunft statt 10.47 Uhr in Friedrichshafen um 13.24 Uhr –

war es uns nicht mehr möglich, in Konstanz irgendwas zu besichtigen, gar das Sealife zu besuchen, denn wir mussten postwendend mit dem gleichen Katamaran wieder zurückfahren – die einfache Fahrt beträgt 50 Minunten. Wir mussten ja mit dem Zug um 17.10 Uhr die Rückfahrt antreten, denn die Mob-Hilfen waren ja für diesen Zug bestellt.

So konnten wir in FN am Strand uns noch eine Tasse Kaffee gönnen. In FN – alle Achtung – klappte es auch am späten Nachmittag super mit der Hilfe. Wir saßen dann jedoch wieder zwischen mehreren Fahrrädern im Zug. Dieses Mal waren nur zwei Notsitze frei, so dass unsere vier Mitfahrer sich einen Platz weiter vorn im Zug suchen mussten und ich mit dem Rollifahrern und seiner Mutter auf den Notsitzen Platz nahm.

Der Zug fuhr bis Aulendorf (Endstation) dort war der nächste Mob bestellt, als wir jedoch ankamen, war von diesem nichts zu sehen. Ich bat dann ein paar mitfahrende Männer um Hilfe, die sich auch gleich spontan bereit erklärten und mit vereinten Kräften haben sie den Rollstuhl samt Kind aus dem Zug gehoben. Wir machten uns dann auf den Weg zum bereitstehenden Zug nach Memmingen, als eine junge zierliche Frau sich als Mob-Hilfe bemerkbar machte. Sie meinte zuerst, dass sie den Rollstuhl so in Zug bringen kann, dass  aber kläglich scheiterte. Danach lief sie zum Bahnhofsgebäude zurück um den Schlüssel, zu dem am Bahnsteig stehenden Lift, zu holen. Mit zitternden Händen – der Zug hatte zwischenzeitlich noch 2 Minuten regulären Aufenthalt – bekam sie das Schloss nach einigen Versuchen auf und mit vereinten Kräften brachten wir dann den Rolli in Zug.

So ging es auf die letzte Etappe unseres Ausfluges. Der beauftragte Herr vom Morgen gab mir eine Visitenkarte mit einer Telefonnummer drauf und meinte, ich soll doch sicherheitshalber anrufen, wenn wir auf dem Rückweg sind, dass auch sicher jemand am Bahnhof Memmingen ist, das tat ich dann auch. Von der Dame am Telefon bekam ich zu hören, warum ich denn anrufe, der Auftrage liege schließlich da, dann wurde ich noch  gefragt, ob es sich bei dem Zug um ein Niederflurfahrzeug handelt, das ich aber nicht beantworten konnte, ich konnte ihr nur sagen, dass wir in Aulendorf mit der Hebebühne in den Zug kamen.

Als wir in Memmingen einfuhren, welche Freude, stand eine blonde Dame mit der Hebebühne am Bahnsteig. Als dann die Tür geöffnet wurde meinte diese recht unfreundlich, dass es ja doch ein Niederflurzug ist. Als sie den Rollstuhl aus dem Zug hatte kam sie auf mich zu, ich solle ihr doch die Visitenkarte sofort zurückgeben. Was ich auch tat, ohne mir verkneifen zu können, dass ich bei ihr bestimmt nie mehr anrufen werde.

Wir beendeten die Reise mit einem leckeren Essen in Memmingen und wurden dann von meinem ältesten Sohn mit dem Auto abgeholt und sicher nach Hause gebracht. Das war eine tatsächlich erlebte Fahrt am Donnerstag den 23.08.2012.

Mein Fazit – leider ist das zwar gutgemeinte Mobilitätsangebot der DB AG nicht ausgereift.

Wenn ich einen Elektrorollstuhl mit einem Behinderten anmelde und extra bis 250 Kg Gewicht angebe, müsste es doch normal sein, das passende Personal zur Verfügung zu steht. Und dann auch noch  patzige unfreundliche Personen – die den Service ja sicher nicht umsonst für die DB machen- sind total fehl am Platz. Vielleicht wäre es auch gut, wenn sich mal ein Verantwortlicher der DB AG Undercover in den Rollstuhl setzt und eine Reise im Zug antritt. Da sieht er die Dinge bestimmt ganz anderst.

Denn auch mir war zuvor nicht klar was auf mich zukommt, als ich dem Josef von unserer Fahrt mit dem Zug am 8.8. nach Garmisch erzählte und er fragte, ob er so was auch mal machen darf und ich spontan sagte: Wir fahren zusammen an den Bodensee

C.Z.


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