Memmingen – Memminger Feuerwehr übt im chemischen Betrieb

Memmingen | 10.11.2011 | 11-1387

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Donnerstagabend, 10.11.2011, hieß es wieder für einen Zug der Freiwilligen Feuerwehr Memmingen erlerntes in einer Übungslage umzusetzen. Ausgangslage der Einsatzübung war ein Zwischenfall bei einem chemischen Betrieb in Memmingen. Bei der Umsetzung von Transportgebinden, ist ein IBC-Behälter (Fassungsvermögen 1.000 Liter) bei der Verladung dem Staplerfahrer von der Gabel gefallen und hat einen Arbeiter eingeklemmt. Der Staplerfahrer und ein weiterer Produktionshelfer wurden ohnmächtig und konnten sich selbst nicht mehr aus dem Produktionsbetrieb retten.

Aufgabe des Einsatzzuges war es, die Lage zu erkunden, die drei Personen zu retten und dabei die Gefahren eines chemischen Betriebes entsprechend einzuschätzen und Vorsorge zu treffen. Die Personalstärke wurde bei dem Einsatz sehr bewusst niedrig gehalten, um möglichst realitätsnah üben zu können. Im Ernstfall würde bei einem solchem Ereignis für die Feuerwehr Memmingen „Vollalarm“ ausgelöst werden und nicht wie am Übungsabend nur ein Zug zum Einsatz kommen.

Beim Eintreffen der Einsatzkräfte wurde durch den Einsatzleiter die erste Lagemeldung beim zuständigen Produktionsleiter eingeholt. Zwei Mann wurden sofort mit schweren Chemieschutzanzügen ausgestattet. Zwei weitere wurden als Rettungstrupp vorbereitet. Parallel dazu wurden auf dem Firmengelände Dekontaminationseinrichtungen aufgebaut, um Einsatzkräfte, Mitarbeiter und Verletzte von den Schadenstoffen zu reinigen. Die Führungsgruppe kümmerte sich gemeinsam mit Betriebsleiter und Fachleuten zu ermitteln, welches Produkt ausgelaufen ist und welche Gefahren davon ausgehen.

Für die Feuerwehrleute ist das tragen von Chemieschutzanzügen eine doppelte Belastung. Die Atemluftversorgung unter dem Anzug erfolgt durch Preßluftatmer (Einsatzzeit 20 Minuten). Die Wehrmänner müssen das Gewicht der umluftunabhängigen Atmungsgeräte tragen und dazu das Gewicht des Spezialanzuges. Hier darf man auch nicht vergessen, dass jede Bewegung und jeder Handgriff problematisch ist, da durch den Anzug die Bewegungsfreiheit sehr eingeschränkt ist.

In einem dunklen, vernebelten Raum mussten die Wehrmänner unter den Vollschutzanzügen mit Handlampe und Wärmebildkamera die Verletzten aufspüren und retten.

Von dem ausgelaufenen Produkt wurden Proben sichergestellt, Produktzettel ausgewertet und Informationen gesammelt, um den Einsatzablauf und die notwendigen Sicherheitsvorkehrungen für die Bevölkerung und die Einsatzkräfte zu treffen.

Die Übung hat gezeigt wie personalintensiv ein Gefahrguteinsatz im Ernstfall sein kann. Jedes Rädchen hat seine Aufgabe und muss diese zu 100% erfüllen. Der Feuerwehrmann muss im Einsatz funktionieren. Aus diesem Grund ist es wichtig, das Erlernte wieder und wieder in einsatzrealistischen Übungen zu vertiefen und zu korrigieren.

Herzlichen Dank an das Vorbereitungsteam der Übung und an die Geschäftsführung der Firma Biochema, die hier ihr Betriebsgelände und Einrichtungen für die Übung zu Verfügung gestellt hat.

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