Memmingen – Gedanken verdichten sich zu Reimen

Gedichtband der Memmingerin Doris Maria Abeska im Rathaus übergeben

Foto: Stadt Memmingen

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„Und dann kam es immer wieder vor, dass sich Gedanken und Gefühle zu Reimen verdichteten“, beschreibt die Memmingerin Doris Maria Abeska ihre dichterischen Fähigkeiten. Ihr druckfrischer und 555 Seiten starker Gedichtband wurde jetzt Memmingens Oberbürgermeister Dr. Ivo Holzinger übergeben. Leider konnte die 88-jährige Autorin aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters nicht persönlich ins Rathaus kommen.

Ihr erstes Gedicht schrieb die Sudentendeutsche Doris Maria Abeska im Alter von acht oder neun Jahren: „Es kam einfach und war nicht einmal schlecht. Und ich kann es heute noch auswendig“, sagt sie über ihre literarischen Anfänge. „Da waren einfach zwei Zeilen. Und wenn ich die hatte, konnte ich das Gedicht wie Perlen an einer Schnur ins Licht ziehen.“

Sie schrieb als Folge von Gefühlen und Gedanken, als Ausdruck, wenn sie etwas bewegte.

Geboren 1926 in Mährisch-Schönberg im Ostsudetenland, wurde Doris Maria Abeska nach dem Zweiten Weltkrieg enteignet und vertrieben.

„Eigentlich wollte ich Geschichte, Deutsch und Erdkunde fürs höhere Lehrfach studieren, aber der verlorene Krieg und die danach folgende Enteignung und Vertreibung machten jedem Wunsch und Hoffnungen ein jähes Ende.“

Die junge Frau musste sich ihren Lebensunterhalt verdienen und sich dazu um ihre Mutter kümmern, „die durch Aufregung und Überanstrengung schwer erkrankt war“, wie sie beschreibt.

In ihrer spärlichen Freizeit verschlang Doris Maria Abeska Bücher aller Art und schrieb Verse:

„Ich betrachtete meine Gedichte als Geschenke einer höheren Macht, die mir in Freud und Leid behilflich waren. Und wenn sie auch jemand anderem etwas sagen könnten, würde mich das sehr freuen.“

Abeska schrieb über die Schöpfung, über Vergänglichkeit, die Liebe und das Schicksal, wie in der folgenden Strophe zu lesen ist:

„Das Leben hat viele Gesichter, es hat nicht nur ein Gesicht, und kennst du es nur gezeichnet von Leid, in grauem, beschmutztem, zerrissenem Kleid, so kennst du das Leben nicht.“

Die Buchübergabe im Memminger Rathaus übernahm die Memminger Gymnasiallehrerin Dr. Christa Koepff, deren verstorbene Mutter eng mit der Dichterin befreundet war.

„Schon als Kind war ich öfters mit meiner Mutter bei ihr“, erzählt Dr. Christa Koepff. Und auch heute besucht sie die 88-Jährige noch regelmäßig. „Man kann mit ihr hervorragend über die Tagespolitik diskutieren“, sagt Koepff.

Das Buch „Wie ein Regenbogen – Meine Gedichte.“ ist im Polygon-Verlag erschienen. Erhältlich ist es in den Memminger Buchhandlungen Javurek und Schmid.

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