Memmingen – Erstnotaufnahme gefüllt – jedes Gesicht hat eine Geschichte

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Die Turnhalle der Johann-Bierwirtschule in Memmingen ist nun mit rund 250 Flüchtlingen aus den Kriegsgebieten um Syrien gefüllt, Familien mit Kindern, Frauen und Männern. Am Wochenende trafen insgesamt vier Busse, auch vom Bahnhof München, in Memmingen ein.

Nach rund vier Wochen zu Fuß, per Lkw und Boot haben sie es nun bis nach Deutschland geschafft. Die Strapazen der Reise sind den Menschen ins Gesicht geschrieben. Sie sind durchfroren, abgemagert und gesundheitlich angeschlagen. Vor allem die Kinder bedürfen eines besonderen Augenmerks. Angekommen in Memmingen, steigt ein Dolmetscher in den Bus und begrüßt die Gäste. Die erste Frage die ihm gestellt wird, „werden wir hier auch geschlagen?“ – diese Frage sagt viel dazu aus, was die Flüchtlinge erlebt haben.

Einer junger Mann kam mit seiner Frau und seinen beiden Kindern nach Deutschland. Eine Granate schlug in seinem Garten, rund 50 Meter von seinem Haus entfernt, ein. Er wollte nicht weg aus Syrien, aber er hatte Angst um seine Familie. Eine andere Familie kam mit dem Boot, es ging unter. Acht Stunden kämpften sie um ihr Leben im Wasser und verloren eine Tochter. Andere berichteten aus Ungarn. Die Bevölkerung wollte den Flüchtlingen dort helfen, mit Essen und Decken, die Polizei vertrieb sie und verjagte die Flüchtlinge. Die Gäste zeigen Bilder aus dem Gefängnis, von Zäunen, von Booten, von Soldaten mit Waffen in der Hand. Keiner wollte sie haben, sie wurden ständig weitergetrieben. Die Bilder sind echt, die Gesichter der Flüchtlinge auf ihnen nicht manipuliert, jeder von ihnen hat eine schreckliche Geschichte zu erzählen. Viele der freiwilligen Helfer vom Bayerischen Roten Kreuz, Malteser-Hilfsdienst und JUH haben Tränen in den Augen, wenn sie von den Geschichten hören, die Bilder sehen und an der Brüstung im Obergeschoss in die Turnhalle blicken.

DSC03685Schaut man die Stockbetten in der Turnhalle, liegt in jedem dieser Betten ein Schicksal. Die Menschen sind nun in Memmingen angekommen und müssen zur Ruhe kommen. In einigen Tagen werden sie das Erstaufnahmenotlager wieder verlassen und ihre Reise wird sie dann nach dem Verteilungsschlüssel an ihre Zielorte bringen.

Memmingen hat die Flüchtlinge willkommen geheißen. Das Hilfsangebot der Bürger ist überwältigend. Die ganzen Tage melden sich Menschen, was zu tun ist, wo man helfen kann oder ob man noch etwas braucht.

 

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