Memmingen – 400 Pflegekräfte treffen sich in der Stadthalle zum Pflegesymposium

„Wir sind nicht nur Ausführende in einem System, sondern auch Mitgestalter“

14.Mai 2014 – 400 Pflegekräfte aus ganz Schwaben treffen sich beim zehnten Pflegesymposium in der Memminger Stadthalle

Foto: Stadt Memmingen - Pressestelle

Foto: Stadt Memmingen – Pressestelle

Sie sorgen für die Grundbedürfnisse der anderen, aber zu wenig für die eigenen Bedürfnisse: Pflegekräfte. Dies bemerkt Bournout-Präventionsberaterin Karin Probst und versucht beim zehnten Pflegesymposium des Verbandes der Pflegedienstleitungen in Schwaben den Zuhörern praktische Tipps im meist stressigen Krankenhausalltag zu geben. Neben der ehemaligen Theaterschauspielerin tritt in der Memminger Stadthalle die „Grand Dame der Pflege“, Kranken- und Ordensschwester Dr. theol. h. c. Lilliane Juchli aus Zürich, auf die Bühne. Die 80-jährige Buchautorin macht den Pflegenden Mut, „im Hier und Jetzt zu leben und nicht dauernd in Sorge zu sein“.

Stress-Präventionsberaterin Karin Probst erzählt von Pflegenden, die keine Zeit mehr zum Trinken oder für den Gang zur Toilette hätten: „Viele sorgen erst dann für sich, wenn sie bereits in eine schwerwiegende Krise geraten sind“, beschreibt die ehemalige Theaterschauspielerin und Regisseurin aus Neu-Ulm, die heute als Burnout-Präventionsberaterin Vorträge hält und an Kliniken Kurse leitet.

Damit es erst gar nicht so weit kommt, gibt die Referentin den über 400 Zuhörern in der Stadthalle auf interessante und amüsante Art Tipps: „Man kann es nicht immer allen rechtmachen. Jedes NEIN zu einem anderen ist ein JA zu mir selbst. Seien Sie also so faul wie möglich“, rät die redegewandte Trainerin mit einem leichten Schmunzeln auf den Lippen. „Denn faule Menschen arbeiten effizienter. In dem Moment, in dem Sie nichts tun, ist Ihr Gehirn hochaktiv und Sie tanken Kraft für das, was Sie tun müssen.“ Deswegen empfiehlt Probst Raucherpausen auch für Nichtraucher, in denen sich die Mitarbeiter erholen und untereinander austauschen können.

Wenn die Menschen hilfsbereit, engagiert und verantwortungsbewusst seien – „was ja in den Pflegeberufen meistens der Fall ist“, so Probst – stünden sie schon mit einem Bein im Burnout, beschreibt die Trainerin, die sich an der Freien Universität Berlin zum zertifizierten Business Coach ausbilden ließ. „Rund ein Drittel der Pflegekräfte auf Intensivstationen leiden an Burnout-Syndromen“, zitiert Probst aus einem Stressreport der Bundesanstalt für Arbeitsschutz.

„Sie müssen also anfangen zu Entschleunigen“, rät die Trainerin in ihrem mitreisenden Vortrag und übt mit den Zuhörern einfache Atemtechniken für mehr Ruhe: „Atmen Sie tief in den Bauch hinein, dann können sich keine Stresshormone bilden.“

Dass Pflegende pfleglich mit sich und anderen umgehen sollten, betont auch Dr. theol. h. c. Lilliane Juchli am Rednerpult der Stadthalle. Die namhafte Referentin aus der Schweiz wird von Memmingens Pflegedirektor Hans-Jürgen Stopora als „Buchautorin des wohl bedeutendsten Standardwerks der Pflege“ begrüßt: „Bestimmt viele hier im Saal haben in den vergangenen 40 Jahren nach Juchlis richtungsweisenden Leitlinien gelernt und gepflegt“, betont Stopora als Hauptorganisator und Vorsitzender des Verbandes der Pflegedienstleitungen in Schwaben. „Auch ich habe die `Juchli-Bibel´ im Regal stehen.“

Die Ordensschwester ermahnt, wie wichtig es sei „im Hier und Jetzt zu leben und nicht dauernd in Sorge zu sein“. Das Schönste für sie sei, „junge Menschen zu sehen, die sich für den Pflegeberuf begeistern lassen“. Deswegen habe sie trotz ihres hohen Alters „JA“ zu der Einladung nach Memmingen gesagt.

„Für uns ist Lilliane Juchli das, was für andere Robbie Williams ist“, schwärmt eine begeisterte Zuhörerin von der 80-jährigen Ordensschwester, für deren Autogramm viele im Anschluss an den Vortrag Schlange stehen.

In Ihrem Referat geht Juchli auch auf die Bedeutung des Wortes `Pflege´ ein, das im eigentlichen Sinne heiße: `Für etwas einstehen, sich für etwas einsetzen´. Dabei betont sie, wie wichtig es sei, sich in der Hektik des Berufslebens die Freude und Motivation zu bewahren: „Wir sind nicht nur Ausführende in einem System, sondern auch Mitgestalter.“

 

Foto: Stadt Memmingen - Pressestelle
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