Medizinische und emotionale Hilfe kommt nach Hause

Klinikum Memmingen Nachsorgeteam „Bunter Kreis“ kümmert sich seit fast einem Jahr um Familien mit schwerstkranken Kindern

Foto: Klinikum Memmingen

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Luca kam am 28. März auf die Welt – zehn Wochen vor dem regulären Geburtstermin. Die ersten Monate seines Lebens verbrachte das Frühgeborene mit Beatmungsschlauch und Magensonde auf der Kinderintensivstation des Klinikums Memmingen. Um Luca und seine Eltern auch nach dem Klinikaufenthalt nicht alleine zu lassen, kümmerte sich ein sozial-medizinisches Team im Rahmen der Nachsorge um die junge Unterallgäuer Familie. Dieser neue Service wird seit fast einem Jahr am Klinikum Memmingen in Kooperation mit dem „Bunten Kreis“ Augsburg angeboten.

Weil seine Herztöne immer wieder abfielen, wurde Luca per Notkaiserschnitt aus dem Bauch seiner Mutter geholt. Bei der Geburt wog er lediglich 1.200 Gramm – ein Drittel von dem, was gesunde Babys auf die Waage bringen. Über längere Zeit wurde Luca künstlich beatmet und mit einer Magensonde ernährt. Auch sein verklebter Darm musste operiert werden. Zwei Monate verbrachten seine besorgten Eltern fast Tag und Nacht bei ihrem Kind in der Klinik.

„Eine hochbelastende Zeit für die junge Familie“, schildert die zuständige Nachsorgeschwester Sonja Schalk. „Auch durch die große Ungewissheit, was mit dem Baby passiert.“

Nach zwei Monaten konnte Luca mit einem Gewicht von 2.450 Gramm entlassen werden. Auch in den Monaten nach dem Klinikaufenthalt war die junge Sontheimer Familie nicht auf sich alleine gestellt.

Foto: Klinikum

Foto: Klinikum Memmingen

„Im Rahmen unserer sozial-medizinischen Nachsorge können wir Eltern von Frühchen oder schwerstkranken Kindern emotional und medizinisch unterstützen“, beschreibt Kinderärztin Stefanie Krause. „Dadurch werden die Krankenhausaufenthalte verkürzt und die Kompetenz im Umgang mit dem Kind verbessert.“

Die Nachsorge wird von der Krankenkasse bezahlt und in bestimmten Fällen von der Stiftung „Bunter Kreis“ mit Sitz in Augsburg finanziell unterstützt. Die fachliche Hilfe wird für mindestens drei und höchstens sechs Monate gewährt.

„Wir gehen zu den Eltern nach Hause und sprechen beispielsweise durch, wie die Woche verlief“, erzählt Kinderkrankenschwester Sonja Schalk. „Ob das Kind gut gegessen und die Nahrung vertragen hat, ob es Probleme beim Schlafen oder mit Infekten gab.“

Neben Kinderkrankenschwestern kümmert sich im Rahmen der Nachsorge ein interdisziplinäres Team bestehend aus Ärzten, Psychologen, Physiotherapeuten, Seelsorgern und Sozialpädagogen um die betroffenen Familien.

„Es gibt neben medizinischen natürlich auch oft sozialrechtliche Fragen zu klären: Können die Eltern beispielsweise finanzielle Unterstützung oder eine Haushaltshilfe beantragen?“, erzählt Diplom-Sozialpädagogin Ulrike Titze vom Sozialpädiatrischen Zentrum (SPZ) des Klinikums Memmingen. „Hier am SPZ sind wir in dieser Hinsicht super aufgestellt und können den Familien selbst noch Jahre nach der eigentlichen Nachsorge mit Psychologen, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten oder Entwicklungsneurologen zur Seite stehen.“

Ob auch der sieben Monate alte Luca, der sowohl gesundheitlich als auch entwicklungsneurologisch derzeit viele Fortschritte macht, später weitere Hilfen in Anspruch nehmen wird, steht noch nicht fest. Für die Eltern zählt jetzt erst einmal, dass der lange und steinige Weg bis hierher geschafft ist.

 


 

Weitere Informationen: Die Stiftung „Bunter Kreis“ betreut seit 20 Jahren Familien mit chronisch-, krebs- und schwerstkranken Kindern in Schwaben. Für den Aufbau und Erhalt des Angebots ist der Verein zur Familiennachsorge auf Spenden angewiesen.

Kennwort: „Memmingen“; Spendenkonto: 46466; Bankleitzahl: 720 501 01; Kreissparkasse Augsburg.