Marburger-Bund-Chef weist Egoismusvorwurf zurück

Berlin – Im Streit um das geplante Tarifeinheitsgesetz hat der Vorsitzende des Marburger Bundes, Rudolf Henke, Vorwürfe zurückgewiesen, die Ärztegewerkschaft mache eine egoistische Tarifpolitik auf Kosten der übrigen Beschäftigten in den Kliniken. „Wir können nicht die Aufgabe des Sozialausgleichs auch noch in die Tarifpolitik übernehmen“, sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete dem „Handelsblatt“ (Mittwochsausgabe). Im Referentenentwurf für das geplante Tarifeinheitsgesetz, den Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) am Dienstag präsentiert hatte, warnt die Regierung, dass konkurrierende Tarifverträge der „innerbetrieblichen Lohngerechtigkeit“ zuwiderliefen.

Denn oft sei nicht die besondere Leistung einer Arbeitnehmergruppe, sondern ihre Schlüsselposition im Betriebsablauf Maßstab für die Verteilung des Erwirtschafteten. „Es muss gerecht zugehen, aber die Frage, die die Tarifpolitik lösen muss, ist die Frage nach der Leistungsgerechtigkeit“, sagte Henke dazu. „Verteilungsgerechtigkeit ist in erster Linie Aufgabe der Steuer- und Transferpolitik des Staates.“ Hätte der Marburger Bund sich 2006 nicht aus der Tarifgemeinschaft mit Verdi verabschiedet, „dann hätte wahrscheinlich jeder Arzt im Schnitt seines Berufslebens zwei Jahresgehälter verloren“, sagte der Gewerkschaftsvorsitzende. Das geplante Tarifeinheitsgesetz wertet der Marburger-Bund-Chef als Generalangriff auf bestehende und künftige Berufsgewerkschaften: „Alles redet im Augenblick darüber, dass die Pflege dringend gestärkt werden muss. Aber dieses Gesetz nimmt Beschäftigten der Pflegebranche jede organisationspolitische Entwicklungsperspektive“, warnte Henke. „Es ist nicht nur ein Angriff auf den Marburger Bund, sondern auf jeden, der in Zukunft das Gefühl hat, dass sein Beruf vielleicht besser organisiert werden könnte.“

Über dts Nachrichtenagentur

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