Lindner will FDP-Außenpolitik "in Tradition Genschers"

Berlin (dts Nachrichtenagentur) – Nach dem Tod von Hans-Dietrich Genscher sieht der FDP-Vorsitzende Christian Lindner seine Partei in der Pflicht, die außenpolitischen Prinzipien des Ehrenvorsitzenden der Liberalen fortzuführen. „Ohne sein Lebenswerk sind die deutsche Einheit und das Haus Europa nicht vorstellbar“, sagte Lindner der „Welt am Sonntag“. Europa sei Genschers Herzensangelegenheit gewesen: „Wir, die nach ihm Verantwortung tragen, müssen es erhalten, indem wir seine Werte und sein Recht nicht länger relativieren.“

Als Beispiel für eine Gefährdung Europas nannte Lindner „falsche Zugeständnisse an Autokraten wie Herrn Erdogan“, mit denen die Bundesregierung das Fundament Europas unterspüle. Auch die Verankerung Deutschlands im transatlantischen Bündnis mit den USA sieht Lindner als Erbe Genschers, das auch künftig unverzichtbar sei. „Deshalb dürfen wir nicht zulassen, dass beispielsweise der Freihandel durch einen geschichtslosen Antiamerikanismus gefährdet wird“, sagte Lindner. Auch den Dialog mit Russland gelte es trotz aller Differenzen fortzusetzen. Auf die Frage nach der von Genscher und seinem Nachfolger Guido Westerwelle gepflegten Kultur der militärischen Zurückhaltung sagte Lindner indes: „Es gibt heute außenpolitische Fragen, die man anders beantworten muss als zur Zeit von Hans-Dietrich Genscher. Aber bei den Grundentscheidungen stehen wir in seiner Tradition.“ Genschers Tod habe ihn überrascht, sagte Lindner. Nach den Landtagswahlen vor drei Wochen habe der Ehrenvorsitzende ihn noch angerufen: „Er sah uns auf dem richtigen Kurs. Über die jüngsten Wahlerfolge hat er sich von Herzen gefreut und mich am Montag gleich angerufen, um uns zu gratulieren. Er klang so munter und vital, dass mich sein Tod überrascht hat.“

Christian Lindner, über dts Nachrichtenagentur
Foto: Christian Lindner, über dts Nachrichtenagentur