Kriseninterventionsteam (KIT) wir kümmern uns um die, die uns brauchen

Foto: Zwiebler

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Der notfallmedizinische Rettungsdienst hat die Aufgabe, Lebensfunktionen wiederherzustellen, diese zu erhalten und einen sachgerechten Transport von Verletzten oder Erkrankten in eine weiterversorgende Klinik zu gewährleisten. Die Betreuung von betroffenen Angehörigen gehört primär nicht dazu, obwohl die Mitarbeiter der Rettungsdienste sehr oft damit konfrontiert werden. Dennoch mussten sie früher die psychisch aufgewühlten Beteiligten, die nicht notfallmedizinisch behandlungsbedürftig waren, sich selbst überlassen, um ihrer eigenen Aufgabe gerecht zu werden.

Einen schweren Verkehrsunfall mit einer Straßenbahn, bei dem ein Kind getötet wurde und die unverletzten Eltern ohne fachliche Betreuung an der Einsatzstelle zurückbleiben mussten, nahm der Rettungsassistent und Diakon Andreas Müller-Cyran zum Anlass, am 9. März 1994 im Arbeiter-Samariter-Bund München (ASB) das weltweit erste Kriseninterventionsteam (KIT) zu gründen, um solchen Situationen organisiert begegnen zu können.

Der Stellenwert der Krisenintervention wird nach anfänglichen Zweifeln in der Fachwelt nicht mehr bestritten, mittlerweile ist sie in zahlreichen Bereichen ein fester Bestandteil des Rettungsdienstes, die Grundlagen wurden auch unter dem Schlagwort Basiskrisenintervention in das Curriculum der deutschen Rettungsassistenten-Ausbildung aufgenommen.

Die häufigste Indikation ist die Betreuung von Angehörigen bei einem Todesfall, insbesondere bei besonderen Umständen, zum Beispiel in der belastenden Situation eines erfolglosen Reanimationsversuches, beim unerwarteten Tod eines relativ jungen Patienten, Suizid, Tod in der Öffentlichkeit oder bei (sozialer) Vereinsamung der Hinterbliebenen. Eine deutliche Indikation ist der Tod eines Kindes, sei es durch Unfall, akute Krankheit oder durch den plötzlichen Kindstod.

In Zusammenarbeit mit der Polizei überbringt der Kriseninterventionsdienst auch Todesnachrichten. Für die Polizeibeamten bedeutet das häufig eine große Entlastung, die geschulten Krisenhelfer können auf die Bedürfnisse und Reaktionen der Angehörigen oft besser eingehen.

Bei schweren Verkehrs-, Schienen- oder Arbeitsunfällen ist der grundsätzliche Einsatz der Krisenintervention sinnvoll, da hier oft belastende Umstände zu erwarten sind. Betreut werden dann auch Augenzeugen, Arbeitskollegen oder der Führer des am Unfall beteiligten Fahrzeuges. Manche Verkehrsunternehmen halten hier sogar selbst Krisenhelfer vor (zum Beispiel die Deutsche Bahn AG). Eine häufige Ursache für Kriseninterventions-Einsätze sind in diesem Zusammenhang Suizidversuche durch Überrollen mit dem Zug. In Wien und München liefen hierzu Pilotstudien in Zusammenarbeit mit den Massenmedien, die über solche Suizide nicht mehr berichten sollen, um den Nachahmer-Effekt (Werther-Effekt) zu verringern. In Wien ging dadurch bereits die Häufigkeit dieser Suizidmethode insgesamt zurück.

Auch bei anderen Einsätzen, bei denen mit einer psychischen Traumatisierung körperlich Unverletzter zu rechnen ist, ist der Einsatz der organisierten Krisenintervention sinnvoll. Beispiele sind Brände mit Schwerverletzten oder Toten und Situationen mit massiver Gewalterfahrung oder persönlicher Bedrohung (Banküberfällen, Geiselnahmen oder Vergewaltigungen).

Über die Notwendigkeit, einen Kriseninterventionsdienst (KID) hinzu zu ziehen, entscheidet in der Regel das vor Ort eingesetzte Einsatzpersonal von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst. Bei bestimmten Meldebildern wird die Krisenintervention von den Integrierten Leitstellen schon aufgrund des Notrufes parallel zum Rettungsdienst alarmiert, um gerade bei Unfällen im öffentlichen Bereich damit frühzeitig an der Einsatzstelle zu sein und auch Augenzeugen noch erreichen zu können.

Auch in dem Bereichen der Integrierten Leitstellen Donau-Iller und Allgäu gibt des in den Städten und Landkreisen „Kriseninterventionsteams“ (KIT). Sie treten in der Regel in Zweierteams auf und sind schon wenige Minuten nach Verständigung vor Ort und können ihre Arbeit aufnehmen. Träger der KID sind meist das Bayerische Rote Kreuz (BRK) sowie ASB, JUH und MHD. Auch für die Betreuung von Einsatzkräften, die oft mit schrecklichen Bildern an der Einsatzstelle konfrontiert werden, stehen speziell ausgebildete Betreuer zur Verfügung – die Feuerwehr Memmingen unterhält ein PEER-Team für die „Hilfe für die Helfer“.