Kriminalstatistik 2016 für Bayern und das Polizeipräsidium Schwaben Süd/West

Gewalt Messer Täter

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann veröffentlicht bayerische Kriminalstatistik 2016: Leichter Kriminalitätsanstieg und höhere Aufklärungsquote – Weniger Diebstähle und mehr Gewaltkriminalität – Weitere Verstärkung der Bayerischen Polizei

2016 ist die Zahl der Straftaten in Bayern leicht angestiegen. Gleichzeitig konnte die Bayerische Polizei aber die bundesweit vergleichsweise ohnehin schon hohe Aufklärungsquote weiter verbessern. Rückgänge gab es in Bayern vor allem bei der Zahl der Diebstahlsdelikte. Aufgrund intensiver Polizeikontrollen hat sich die Zahl der Rauschgiftdelikte erheblich erhöht. Ebenfalls gestiegen sind die Fälle der Gewaltkriminalität. Angesichts des massiven Flüchtlingszustroms stieg auch die Zahl tatverdächtiger Zuwanderer in Bayern deutlich.

Das sind die Kernpunkte der bayerischen Kriminalstatistik 2016, die Bayerns Innenminister Joachim Herrmann am Montag, 13.03.2017, in München vorgestellt hat. „Wir analysieren die Kriminalitätsentwicklung in Bayern sehr genau“, betonte Herrmann. Trotz des leichten Kriminalitätsanstiegs habe Bayern eine sehr niedrige Kriminalitätsrate. „In Bayern leben, heißt sicherer leben“, so Herrmann. Er kündigte an, die Bayerische Polizei in den kommenden Jahren weiter zu verstärken. „Unser Maßnahmenpaket ‚Sicherheit durch Stärke‘ sieht bis 2020 insgesamt 2.000 zusätzliche Polizeistellen vor. Außerdem werden wir unter anderem die Schutzausstattung unserer Polizisten weiter verbessern, die Observationseinheiten aufstocken und die polizeiliche Videoüberwachung ausbauen.“

Bereinigt um die rein ausländerrechtlichen Verstöße wie illegale Einreise stieg 2016 die Zahl der in Bayern registrierten Straftaten um 3,3 Prozent auf 614.520 Fälle an. Die bereinigte Häufigkeitszahl, also die Zahl der Straftaten pro 100.000 Einwohner, stieg um 2,1 Prozent auf 4.785. „Das ist immer noch ein sehr niedriger Wert“, erklärte der Minister. „Vor zehn Jahren war die Kriminalitätsbelastung in Bayern etwa acht Prozent höher.“ Die Aufklärungsquote konnte um 0,9 Prozentpunkte auf 63,7 Prozent weiter gesteigert werden. „Die Bayerische Polizei konnte also letztes Jahr rund zwei Drittel aller Straftaten aufklären“, ergänzte Herrmann. „Das ist ein hervorragendes Ergebnis!“

Einschließlich der ausländerrechtlichen Verstöße wurden 2016 bayernweit 882.473 Straftaten registriert (+9,5 Prozent). Fast ein Drittel davon waren ausländerrechtliche Verstöße (267.953, +27 Prozent). Die Häufigkeitszahl lag infolge der gestiegenen Fallzahlen bei 6.871 (+8,2 Prozent).

Hinweis: Bei den nachfolgenden Statistiken handelt es sich um bereinigte Kriminalitätszahlen, also ohne rein ausländerrechtliche Verstöße, wozu vor allem die illegalen Grenzübertritte von Asylsuchenden zu zählen sind.

Weiterhin besorgniserregend ist laut Herrmann die Entwicklung der Kriminalität von nichtdeutschen Tatverdächtigen. Im zurückliegenden Jahr waren von den insgesamt 274.633 Tatverdächtigen 180.023 Deutsche (+ 0,3 Prozent) und 94.610 Nichtdeutsche (+14,9 Prozent). Der Anteil der nichtdeutschen Tatverdächtigen stieg um 2,9 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahreswert und lag bei 34,4 Prozent. 2012 lag dieser Anteil noch bei 25,4 Prozent. „Hier spielt insbesondere der steigende Anteil tatverdächtiger Zuwanderer eine wichtige Rolle“, erläuterte der Innenminister. 2016 wurden in Bayern insgesamt 26.332 tatverdächtige Zuwanderer erfasst. Das ist ein Anstieg um 57,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Anteil der tatverdächtigen Zuwanderer an allen Tatverdächtigen lag bei 9,6 Prozent und damit 3,2 Prozentpunkte über dem Vorjahreswert. 2012 lag der Anteil noch bei 1,8 Prozent. Unter den tatverdächtigen Zuwanderern bildeten Syrer mit 16,1 Prozent (2015: 11,1 Prozent) die größte Gruppe, gefolgt von Afghanen mit 14,3 Prozent (2015: 10,1 Prozent), Irakern mit 8,8 Prozent (2015: 4,6 Prozent) und nigerianischen Staatsangehörigen mit 6,8 Prozent (2015: 5,4 Prozent). Herrmann: „Der Anstieg der Kriminalität in Bayern im Jahr 2016 ist im Ergebnis ganz überwiegend ausländischen Tatverdächtigen, darunter insbesondere Zuwanderer, zuzuschreiben.“

Positiv ist nach Herrmanns Worten der Rückgang der Fallzahlen bei den Diebstahlsdelikten um 4.990 Straftaten auf 180.260 Fälle (-2,7 Prozent). Der dabei entstandene Gesamtschaden stieg aber auf mehr als 206 Millionen Euro (+15,8 Prozent). „Das deutet darauf hin, dass die Täter immer professioneller vorgehen und insgesamt immer höherwertigere Beute machen“, erklärte Herrmann. Der Anteil der Nichtdeutschen in diesem Deliktsbereich an allen Tatverdächtigen lag bei 42,8 Prozent und damit 0,7 Prozentpunkte über dem Vorjahreswert.

Besonders freut Herrmann, dass das bayerische Maßnahmenkonzept gegen Wohnungseinbrecher auch 2016 erfolgreich war. „Bereits 2015 hatten wir einen deutlichen Rückgang der Einbruchszahlen um knapp neun Prozent auf 7.480 Delikte“, so Herrmann. „Dieses Niveau konnten wir 2016 mit insgesamt 7.470 Wohnungseinbrüchen stabilisieren.“ Die Häufigkeitszahl lag bei 58 Einbrüchen pro 100.000 Einwohner, die Aufklärungsquote bei mittlerweile 18,9 Prozent (+drei Prozentpunkte). „Damit dürfte das Einbruchsrisiko in Bayern wie auch im Vorjahr bundesweit am niedrigsten gewesen sein“, ergänzte Herrmann. In Nordrhein-Westfalen liege das Einbruchsrisiko rund fünfmal höher. Herrmann weiter: „Durch die intensive Ermittlungs- und Fahndungsarbeit der Bayerischen Polizei konnten wir im vergangenen Jahr insgesamt 1.055 Wohnungseinbrecher schnappen, 18 Prozent mehr als im Vorjahr.“ 49,3 Prozent waren nichtdeutsche Tatverdächtige, vorwiegend aus Mittel- und Osteuropa.

Bei der Gewaltkriminalität gab es 2016 in Bayern einen Anstieg um 9,8 Prozent auf 21.101 Fälle. Die Aufklärungsquote verbesserte sich um 0,3 Prozentpunkte auf 84,7 Prozent. „Die allermeisten Gewalttäter werden also von der Bayerischen Polizei ermittelt“, so der Innenminister. Mit einem Anteil von mittlerweile 81,9 Prozent dominieren nach wie vor die gefährlichen und schweren Körperverletzungen. Die Zahl der Straftaten gegen das Leben stieg 2016 um 14,9 Prozent auf 587 Fälle, darunter 358 Versuche. Allein 17 Morddelikte, davon neun vollendete und acht versuchte Delikte, gehen auf den Amoklauf in einem Münchner Einkaufszentrum im Juli 2016 zurück.

Die durch Zuwanderer begangenen Gewaltdelikte stiegen um 93 Prozent auf 3.495 Fälle. Der Tatort lag bei 58,3 Prozent dieser Fälle innerhalb von Asylbewerberunterkünften. In 64,9 Prozent der Fälle handelte es sich um Gewaltdelikte unter Zuwanderern.

Den Anstieg der bayernweit insgesamt registrierten Straftaten führte Herrmann auch auf die noch intensiveren Rauschgiftkontrollen im Jahr 2016 zurück. „Mit 49.056 Rauschgiftdelikten gelang es unseren Fahndern, 7.890 Fälle mehr aufzudecken“, machte der Minister deutlich. „Das ist eine Steigerung von 19,2 Prozent.“ Die größte Zunahme war beim Handel mit ’nicht geringen Mengen‘ zu verzeichnen. Hier wurden 26,3 Prozent mehr Fälle (2016: 1.744 Delikte; 2015: 1.381 Delikte) aufgedeckt, als 2015. Mit mittlerweile 74,7 Prozent machen die konsumnahen Delikte wie beispielsweise der Erwerb und Besitz von Betäubungsmitteln weiterhin den größten Anteil der angezeigten Verstöße aus. Die Zahl der registrierten tatverdächtigen Zuwanderer lag bei 2.068 (+100,6 Prozent). Herrmann: „Auf diese Entwicklung haben wir bereits mit konsequenten Maßnahmen reagiert, beispielsweise mit gezielten Polizeikontrollen in und im Umfeld von Asylbewerberunterkünften.“ Grundlage dafür ist auch das im Januar 2017 in Kraft getretene Bayerische Integrationsgesetz, das der Bayerischen Polizei im Polizeiaufgabengesetz erleichterte Kontrollmöglichkeiten im Umfeld von und in Asylbewerberunterkünften gibt.

Weitere Entwicklungen der Kriminalstatistik 2016 in Bayern können auf www.stmi.bayern.de abgerufen werden.

 

Foto: Polizei

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Im Rahmen eines Pressegesprächs wurde von Polizeipräsident Werner Strößner bei der Veröffentlichung der detaillierten Zahlen ein positives Fazit gezogen. „Die Sicherheitslage in unserem Zuständigkeitsbereich ist nach wie vor sehr gut. Garant hierfür sind nicht nur die professionelle und engagierte Arbeit aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West, sondern auch die Bevölkerung, die unsere Arbeit durch Hinweise wesentlich unterstützt.“

Die registrierten Straftaten stiegen im vergangenen Jahr um 1.592 Fälle auf nunmehr 43.055 Taten an (Anstieg um 3,8 %). Bereinigt man diese Zahlen um ausländerrechtliche Verstöße, hierbei handelt es sich um Taten, die ausschließlich von Ausländern begangen werden können, wie Verstöße gegen das Aufenthalts- und Asylgesetz, stiegen die Fallzahlen um 396 auf 39.640 an (Anstieg um 1 %).
Die Anzahl der bekannt gewordenen Straftaten pro 100.000 Einwohner, die sogenannte Häufigkeitszahl, ist in unserer Region mit 4.498 (bereinigt: 4.141) innerhalb Bayerns eine der niedrigsten. Sie liegt sogar 34,5 Prozent unter der guten bayerischen Häufigkeitszahl (Bayern 2016: 6.871; Bund 2015: 7.797).
Die Aufklärungsquote konnte im vergangenen Jahr für den Bereich des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West abermals um 1,2 Prozent (bereinigt: 0,5 %) auf nunmehr 70,6 Prozent (bereinigt: 68,1 %) gesteigert werden.

Die Gewaltkriminalität stieg um 28 auf 1.353 Fälle an, was in etwa dem Zehnjahresdurchschnitt entspricht. Mit 86,8 Prozent gelang es die bisher hohe Aufklärungsquote in diesem Deliktsbereich beizubehalten.
Die Straßenkriminalität sank im Vergleich zum Vorjahr um 6,4 Prozent auf 5.926 Fälle. Der Bereich der Diebstahlskriminalität stellt mit 10.984 Fällen nach wie vor die größte Deliktsgruppe dar. Gegenüber dem Vorjahr sanken hier ebenfalls die Fallzahlen um 3,1 Prozent auf das Niveau des Jahres 2014.
Im Bereich der Rauschgiftdelikte gelang es im vergangenen Jahr 3.829 Fälle aufzudecken, was einer Steigerung um 32,5 Prozent zum Vorjahr entspricht.
Bei den Sexualdelikten konnte ein weiterer Rückgang um 3,8 Prozent auf 436 Fälle verzeichnet werden.

Anlass zur Sorge gibt die Steigerung 2016 im Fallaufkommen bei den Wohnungseinbruchdiebstählen. „Trotz einer Vielzahl an Präventionsmaßnahmen und umfassender Kontrollaktionen ist es uns nicht gelungen, eine weitere Steigerung der Wohnungseinbruchszahlen zu verhindern. Hier wird auch in Zukunft unser volles Engagement gefordert sein“, so der Leitende Kriminaldirektor Albert Müller, Leiter des Sachgebiets Kriminalitätsbekämpfung des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West.

Regional gesehen entwickelt sich das Phänomen sehr unterschiedlich. Während in den Landkreisen Günzburg und Lindau die Fallzahlen rückläufig waren, mussten in den Landkreisen Neu-Ulm und Ostallgäu sowie im Bereich Kempten zum Teil deutliche Steigerungen verzeichnet werden. Die Aufklärungsquote lag mit 20,1 Prozent um 3,7 Prozent über dem bayerischen Durchschnitt (16,4 %) und 9,1 Prozent über der Quote von 2015.

„Durch Hinweise kann uns die Bevölkerung bei der Ermittlungsarbeit tatkräftig unterstützen. Deshalb möchte ich dazu ermutigen, verdächtige Beobachtungen unverzüglich der Polizei unter der „110“ zu melden. Verbrechensbekämpfung ist eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung“, hebt Polizeipräsident Werner Strößner hervor.

Krimnalstatistik 2016 Schwaben Süd/West