Kretschmann: In der katholischen Kirche regiert die Angst

Katholischer Pfarrer in einer Messe, über dts Nachrichtenagentur
Foto: Katholischer Pfarrer in einer Messe, über dts Nachrichtenagentur

Berlin – Der baden-württembergische Ministerpräsident und bekennende Christ Winfried Kretschmann (Grüne) wirft der katholischen Kirche vor, von Angst zu beherrscht sein. „Mich irritiert vor allem, wie viel Angst in unserer Kirche regiert“, sagte er in einem Gespräch mit der Wochenzeitung „Die Zeit“. „Die Dogmen lasten wie ein Alb auf uns Gläubigen“, so Kretschmann.

„Dass meine Kirche nicht zugeben kann zu irren, das ertrage ich am schwersten.“ Das Problem seien nicht die Dogmen an sich, sondern das die Kirche sie alle für richtig halte, so der Grünen-Politiker. „Auch wenn manche es noch nicht wahrhaben wollen: Die Zeiten sind vorbei, in denen die Hierarchie Debatten einfach für beendet erklären konnte“, so der Regierungschef. „Ich glaube einfach nur das, was ich glaube“, sagte der praktizierende Katholik, „anders kann ich nicht glauben“. Kretschmann kritisiert, die katholische Kirche habe sich zu stark auf Themen wie Verhütungsfragen konzentriert: „Ob man etwa Kondome benutzt, das hat mit der Nachfolge Christi so viel zu tun wie die Frage, ob man mit Messer und Gabel isst oder lieber mit den Händen. Welcher Mensch kann da noch eine Brücke zum Evangelium schlagen?“ Der Grünen-Politiker empfehlt den christlichen Kirchen mehr Optimismus: Nie zuvor sei eine Gesellschaft so vom Evangelium geprägt gewesen wie die heutige. „So christlich wie heute waren wir noch nie in unsrer Gesellschaft“, sagte der Ministerpräsident. „Das Evangelium wird doch in unserer heutigen Zeit mehr denn je gelebt – bloß dass es nicht immer draufsteht. Nehmen Sie die Ideale des Sozialstaats oder der Bewahrung der Schöpfung oder der Würde des Menschen, das sind doch durchgreifende Erfolge der Evangelien in der heutigen Welt.“

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