Kölns Oberbürgermeisterin Reker: Menschen werden zu Freiwild

Köln (dts Nachrichtenagentur) – Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker, die vor acht Monaten selbst Opfer eines Attentats geworden war, macht eine immer aggressivere politische Stimmung mitverantwortlich für das Attentat auf die britische Labour-Politikerin Jo Cox: „Menschen werden zu Freiwild. Wir erleben derzeit ein politisches Klima, in dem eine Entgrenzung in der Sprache stattfindet“, sagte Reker der „Bild“ (Samstag). Die Kölner Oberbürgermeisterin beklagte eine zunehmend „enthemmte Wortwahl“ als Ausdruck einer „Verrohung in der politischen Diskussion“.

Weiter sagte sie: „Und wo Hassparolen und menschenverachtende Hetze den Umgangston bestimmen, ist der Schritt zur tätlichen Gewalt kurz.“ Cox wurde am Donnerstag vor ihrem Bürgerbüro in ihrer britischen Heimat Birstall mit Schüssen und Messerstichen niedergestreckt. Sie überlebte das Attentat, das offenbar ihrem Werben für einen Verbleib Großbritanniens in der EU galt, nicht. „Dieses tödliche Drama hat mir gezeigt, wie viel Glück ich gehabt habe, die Messerattacke zu überstehen. Dafür bin ich dankbar“, sagte Reker der „Bild“: „Ich fühle besonders mit ihrem Ehemann und ihren Kindern und hoffe, dass sie in dieser schlimmen Situation die Hilfe bekommen, die sie brauchen.“

Polizeiabsperrung, über dts Nachrichtenagentur
Foto: Polizeiabsperrung, über dts Nachrichtenagentur