Knobloch hofft auf Wandel in deutscher Gesellschaft

Berlin (dts Nachrichtenagentur) – In der Antisemitismus-Debatte hofft die ehemalige Präsidentin des Zentralrates der Juden, Charlotte Knobloch, auf einen Wandel in der deutschen Gesellschaft. Knobloch sagte der „Heilbronner Stimme“ (Samstag) zu den in einem Video dokumentierten antisemitischen Ausfällen eines 60-Jährigen in Berlin: „Vielleicht hilft das Video dabei, für den alltäglichen Antisemitismus und die Sorgen in der jüdischen Gemeinschaft zu sensibilisieren und den Kampf gegen Antisemitismus in der gesamten Gesellschaft zu intensivieren.“ Ein israelischer Restaurantbesitzer in Berlin war von dem 60-Jährigen massiv beschimpft worden, der Staatsschutz ermittelt unter anderem jetzt wegen Volksverhetzung.

Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern betonte weiter: „Die Anfeindungen und Drohungen, die in dem Video zu sehen sind, sind widerlich, aber keine Seltenheit. Antisemitismus erstarkt in allen Bereichen der Gesellschaft in vielen offenen und verdeckten Formen.“ Es gehe nicht um Einzelfälle, sondern um „Alltagserfahrungen jüdischer Menschen. Im Netz und in sozialen Medien ist Antisemitismus weit verbreitet, aber eben auch in der analogen Welt. Gerade jüdische Schüler leiden darunter – „Jude“ ist ein Schimpfwort auf deutschen Schulhöfen“ Knobloch betonte: „Jüdische Menschen und Einrichtungen sind immer öfter offenem und ungeniertem Antisemitismus ausgesetzt. Der Hass auf Juden und die Anfeindungen kommen von rechts, von links, aus der Mitte der Gesellschaft und von Muslimen und sie äußern sich ganz unterschiedlich: als antijüdische Verschwörungstheorien, dämonisierende und deligitimierende sogenannte Israel-Kritik, doppelte Standards, klassische Ressentiments, Stigmatisierung, Kapitalismus- und Globalisierungskritik. Der Mann in dem Video bedient die ganze Palette des Antisemitismus.“

Holocaust-Mahnmal in Berlin, über dts Nachrichtenagentur
Foto: Holocaust-Mahnmal in Berlin, über dts Nachrichtenagentur