Knabe wirft Ramelow Geschichtsverdrehung vor

Berlin – Der Leiter der Stasiopfer-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, hat scharfe Kritik an Äußerungen des thüringischen Linkenpolitikers Bodo Ramelow geübt: Ramelow betreibe „Geschichtsrevisionismus“ und verdrehe historische Fakten, so Knabe in einem Beitrag für die „Bild-Zeitung“ (Dienstag). Knabe reagiert damit auf ein Interview Ramelows im „Neuen Deutschland“, in dem der Linkenpolitiker unter anderem eine Aufhebung des Verbots der KPD, die Rehabilitierung der Opfer von Berufsverboten in Westdeutschland und höhere Renten für Opfer und für Täter des DDR-Regimes fordert. „So viel Geschichtsverdrehung auf einmal muss man erst einmal hinbekommen“, erklärt Knabe in der „Bild“, denn zum einen sei die KPD 1956 verboten worden, „weil sie die Demokratie in der Bundesrepublik beseitigen wollte. 1968 hat sie sich als DKP neu gegründet – und existiert immer noch. Ganz legal“, so Knabe weiter.

Zum anderen habe es, anders als in der DDR, in Westdeutschland keine „Berufsverbote“ gegeben sondern es werde bis heute überprüft, ob angehende Beamte „treu zur Verfassung stehen. Wer sich dabei ungerecht behandelt fühlt, kann dagegen klagen“, betonte Knabe. Auch den Vorschlag Ramelows für eine Rentenerhöhung für ehemalige Vertreter des SED- und Stasi-Regimes wies Knabe in der „Bild“ zurück: „DDR-Funktionäre kassieren Spitzenrenten. Allein ehemalige Stasi-Mitarbeiter, Volksarmisten, Polizisten bekommen jährlich rund 1,5 Milliarden Euro Ruhegeld. Die Frau von SED-Chef Erich Honecker erhielt eine dicke Nachzahlung. Sollen sie jetzt noch mehr bekommen?“, so Knabe. „Um von Verbrechen eines Unrechtsstaats abzulenken, zeigt man mit spitzen Fingern auf andere. Und wirft Täter und Opfer in einen Topf.“ Ramelow beweise damit, dass er als Regierungschef eines Bundeslandes nicht tragbar sei: „Wer mit diesem Geschichtsbewusstsein Ministerpräsident werden will, disqualifiziert sich selbst.“

Über dts Nachrichtenagentur

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